Ich bin Annika Mix, promovierte Biologin und selbstständige Wissenschaftskommunikatorin. Nach einigen Jahren in Forschung und Lehre habe ich die Universität verlassen, der Wissenschaft bin ich aber treu geblieben. Mit AnySci – Wissenschaft für Jedermann greife ich aktuelle Forschung auf und erzähle sie so, dass jeder etwas spannendes mitnehmen kann. Dabei geht es vor allem um Biologie und Medizin, aber auch um alles andere, was meinen wissenschaftlichen Spieltrieb weckt. Mir ist wichtig, Forschung so zu erklären, dass sie auch ohne Fachwissen verständlich wird, ohne dabei ungenau zu werden oder Ergebnisse größer zu machen, als sie sind. Hier werden keine wahnsinnig weltverändernden Studien aus dem Hochglanzprospekt präsentiert, sondern einfach spannende Forschung zum Staunen und ein bisschen zum Lernen ;)
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Ein Fisch aus einer verborgenen Welt
Die meisten von uns verbinden unbekannte Tierarten vermutlich mit tropischen Regenwäldern oder den Tiefen der Ozeane. Doch manchmal liegen völlig fremde Lebenswelten direkt unter unseren Füßen verborgen – im dunklen Wasser tiefer Gesteinsschichten.
Ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Senckenberg-Forschers Ralf Britz hat in Nordostindien nun eine außergewöhnliche neue Fischart entdeckt: eine nur etwa zwei Zentimeter lange Schmerle, die blind ist, nahezu transparent erscheint und nicht einmal ein knöchernes Schädeldach besitzt. Das Gehirn wird lediglich von Haut bedeckt, was ein einzigartiges Merkmal unter bekannten Schmerlen ist.
Gefunden wurde das Tier zufällig in einem selbst gegrabenen Brunnen im indischen Bundesstaat Assam. Der Brunnen steht offenbar mit einem unterirdischen Grundwasserleiter, einem sogenannten Aquifer, in Verbindung. Genau dort lebt die neue Art vermutlich dauerhaft verborgen im völligen Dunkel.
Die nun als Gitchak nakana beschriebene Schmerle zeigt typische Anpassungen an ein Leben im Untergrund: stark reduzierte Augen, fehlende Pigmentierung und eine blass-transparente Erscheinung. Solche sogenannten phreatobionten Fische gehören weltweit zu den seltensten und am wenigsten erforschten Wirbeltieren überhaupt. Weniger als ein Prozent aller bekannten Fischarten lebt dauerhaft unterirdisch und nur ein kleiner Teil davon in tiefen Grundwasserleitern.
Die Entdeckung deutet darauf hin, dass sich im Untergrund Nordostindiens möglicherweise noch viele weitere unbekannte Arten verbergen könnten. Während wir die Oberfläche der Erde kartieren, Städte bauen und Satelliten ins All schicken, existieren gleichzeitig noch immer ganze Lebensräume, von denen wir kaum etwas wissen.
Quelle:
Britz et al. (2026), Science Reports
https://doi.org/10.1038/s41598-026-40425-6
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