Eine Besonderheit bei Fledermäusen Wenn Menschen oder andere Säugetiere über längere Zeit Höchstleistungen erbringen, greifen ihre Muskeln vor allem auf Kohlenhydrate als Energielieferanten zurück. Fett enthält zwar deutlich mehr Energie, kann bei hoher Belastung aber nur begrenzt und vergleichsweise langsam genutzt werden. Sind die Kohlenhydratspeicher erschöpft, folgt oft ein deutlicher Leistungseinbruch. Für ziehende Fledermäuse, die ja Säugetiere sind, wäre das ein Problem. Einige Arten legen während ihrer saisonalen Wanderungen mehrere tausend Kilometer zurück und verbringen dabei viele Stunden ununterbrochen in der Luft. Ein Forschungsteam des Leibniz-IZW und von Helmholtz München hat nun untersucht, wie Rauhautfledermäuse diese enorme Energieleistung bewältigen. Sie gehört zu den wenigen europäischen Fledermausarten mit ausgeprägtem Zugverhalten. Auf ihrem saisonalen Zug zwischen Nordosteuropa und den Winterquartieren in West- und Südeuropa kann sie mehr als 2.000 Kilometer zurücklegen. Die Forschenden analysierten Blutproben von Fledermäusen während und außerhalb der Zugzeit sowie von Tieren, die unter kontrollierten Bedingungen in einem Windkanal flogen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Tiere während der Reise in hohem Maße Fettsäuren zur Energiegewinnung nutzen. Im Blut fanden sich deutlich erhöhte Konzentrationen von Acylcarnitinen – Transportmolekülen, die Fettsäuren in die Mitochondrien bringen, wo sie verbrannt werden. Damit ähneln sie von ihrem Energiestoffwechsel eher Zugvögeln als anderen Säugetieren. Beide Gruppen haben sich, obwohl sie evolutionär weit außeinander liegen, mit vergleichbaren Mechanismen an dieselbe Herausforderung (Langstreckenflug) angpasst. Quelle: Walker et al. (2026), The FASEB Journal https://doi.org/10.1096/fj.202600860R #Fledermaus #helmholtz #wissenschaft #wissenschaftskommunikation #anysci #biologie