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Meine Name ist Steffen Voß. Ich lebe in Kiel. In diesem Blog versammel ich Ideen und Gedanken zu Technologie und Gesellschaft.

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kaffeeringe.de @blog@kaffeeringe.de · Apr 07, 2026
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Meine Name ist Steffen Voß. Ich lebe in Kiel. In diesem Blog versammel ich Ideen und Gedanken zu Technologie und Gesellschaft.

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Die unsichtbaren Fäden der Macht

Eine Gebrauchs­an­wei­sung für die moder­ne Welt ent­wi­ckelt der Kul­tur­wis­sen­schaft­ler Micha­el See­mann gera­de in sei­nem Blog. Ich fin­de das span­nend, denn wer die Mecha­ni­ken ver­steht, die unse­re Hand­lungs­mög­lich­kei­ten prä­gen, kann sie nut­zen. Oder umbau­en. Oder sogar sprengen.

Micha­el See­mann ver­wen­det eine Rei­he von Begrif­fen, die er dann wie Werk­zeu­ge nutzt, um Gesell­schaft zu analysieren.

Warum du kein „Ich“ bist – und warum das gut ist

Er ersetzt zu aller erst das klas­si­sche auto­no­me Indi­vi­du­um („Ich den­ke, also bin ich“ – Des­car­te) durch das Divi­du­um - ein Sub­jekt, das nur in und durch Netz­wer­ke exis­tiert. „Nobo­dy is an Island,“ wie es John Don­ne sagte. 

Bei allem, was wir tun, sind wir von mate­ri­el­len und sozia­len Vor­aus­set­zun­gen abhän­gig. Micha­el See­manns Divi­du­um ist des­we­gen kein fes­tes Wesen, son­dern ein Kno­ten­punkt, des­sen Iden­ti­tät sich stän­dig neu zusam­men­setzt – aus den Mög­lich­kei­ten, über die es ver­fü­gen kann und den Zwän­gen, denen es unterliegt.

Die Illusion der freien Wahl

Die „Pfad­ge­le­gen­heit“ beschreibt Hand­lungs­op­tio­nen ent­lang von Wegen, die uns offen­ste­hen – oder nicht). Eine Pfad­ge­le­gen­heit ist wie eine Tür in einem Laby­rinth: Sie ist nur dann eine Opti­on, wenn du den Schlüs­sel hast (mate­ri­ell), wenn das Schild sagt „Hier darfst du lang“ (seman­tisch) und wenn nie­mand die Tür blo­ckiert (sozi­al). Dei­ne Mög­lich­kei­ten hängt also von Din­gen ab, die du nicht kontrollierst.

Wer wirklich die Fäden zieht

Hier kommt Micha­el See­manns „Ful­crum“ ins Spiel. In der Phy­sik ist das Ful­crum der Punkt, an dem man einen Hebel ansetzt, um eine Hebel­wir­kung zu erzie­len. Also der Punkt am Tür­rah­men, an dem man die Brech­stan­ge ansetzt, um die Tür auf­zu­he­beln. Wenn man kei­nen Ful­crum hat, kann man nicht hebeln. 

Wer han­deln will, braucht dafür eine mate­ri­el­le, seman­ti­sche und sozia­le Infra­struk­tur. Wenn die Infra­struk­tur nicht aus­reicht, geht nur der Tür­rah­men (das Ful­crum) kaputt – die Tür öff­net sich aber nicht. In der ech­ten Welt sind Ful­cren die unsicht­ba­ren Punk­te, die ent­schei­den, wel­che dei­ner Hand­lungs­op­tio­nen (Pfad­ge­le­gen­hei­ten) wirk­lich funk­tio­nie­ren – und wel­che nur Illu­sio­nen sind. Macht hat, wer die Ful­cren der Ande­ren kontrolliert.

Wie Macht funktioniert – und wie du sie nutzt

Mit der „Hebel:Fulcrum-Mechanik“ erklärt Micha­el See­mann, wie Macht und Hand­lungs­fä­hig­keit in ver­netz­ten Wel­ten funk­tio­nie­ren: Stell dir vor, du willst mit einem Hebel einen schwe­ren Stein anhe­ben – der Hebel ist dei­ne Hand­lung (z. B. „Ich grün­de ein Start­up“), und das Ful­crum (der Dreh­punkt) ist die Infra­struk­tur, die dei­ne Hand­lung erst mög­lich macht (z. B. Investor:innen, ein Markt, dein Netzwerk). 

Die Mecha­nik zeigt: Dei­ne Wir­kung hängt nicht allein von dei­nem Ein­satz und dei­ner Kraft ab (dei­nem Hebel), son­dern davon, wie sta­bil dein Ful­crum ist. Wer die Ful­cren kon­trol­liert, schreibt die Regeln – und wer Hebel klug ein­setzt, kann mit wenig Auf­wand viel bewegen.

Micha­el See­mann spricht übri­gens von „Infra­struk­tur“ und nicht bei­spiels­wei­se von „Res­sour­cen“ um Ful­cren zu beschrei­ben, weil sie kei­ne neu­tra­len Res­sour­cen sind, son­dern poli­tisch geform­te Infra­struk­tu­ren (z. B. Algo­rith­men, Märk­te, kul­tu­rel­le Nor­men). Das ist vor allem wich­tig, um bspw. zu erken­nen, dass Frau­en oder schwar­ze Men­schen weni­ger Pfad­mög­lich­kei­ten haben, nicht weil das ein­fach so ist, son­dern weil Gesell­schaf­ten in der Ver­gan­gen­heit beschlos­sen haben, dass das so sein soll. 

Der unsichtbare Käfig in deinem Kopf

Wir kön­nen nie genau wis­sen, wel­che Hebel wir gera­de ein­set­zen kön­nen. Über das bspw., was ande­re bei uns sozi­al ange­mes­sen hal­ten, kön­nen wir nur spe­ku­lie­ren. Wir haben Erwar­tun­gen dar­über, was ande­re von uns erwar­ten. Bei den meis­ten Men­schen dürf­te das dazu füh­ren, dass sie nicht alle Mög­lich­kei­ten nut­zen, die sie wirk­lich hätten.

Wenn Du bei­spiels­wei­se denkst „Ich glau­be, dass nur Men­schen mit Uni-Abschluss in die­ser Posi­ti­on arbei­ten dür­fen“ sind das Erwar­tungs­er­war­tun­gen, die als selbst-erfül­len­de Pro­phe­zei­un­gen bestehen­de Macht­ver­hält­nis­se stabilisieren.

Erwar­tungs­er­war­tun­gen sind aber kei­ne indi­vi­du­el­len Ängs­te, son­dern sozia­le (divi­du­el­le) Infra­struk­tu­ren – sie for­men unse­re Pfad­ge­le­gen­hei­ten, bevor wir über­haupt handeln.

In den Spuren der Vergangenheit

Die Pfad­ge­le­gen­hei­ten der Gegen­wart hän­gen ent­spre­chend nicht nur von den aktu­el­len Optio­nen ab, son­dern auch von ver­gan­ge­nen Ent­schei­dun­gen – dei­nen eige­nen und denen der Gesell­schaft. Du hast dich frü­her für bestimm­te Wege ent­schie­den (z. B. Aus­bil­dung, Job, Wohn­ort) – und die­se Ent­schei­dun­gen öff­nen oder ver­schlie­ßen dir heu­te Türen. Pfad­ab­hän­gig­kei­ten wir­ken wie unsicht­ba­re Schwer­kraft – sie machen es uns ein­fa­cher, auf bekann­ten Pfa­den zu blei­ben, als neue zu bahnen.

Wie du die Netzwerke für dich arbeiten lässt

Bis hier­hin klingt Micha­el See­manns Theo­rie viel­leicht depri­mie­rend: Ich bin kein Indi­vi­du­um, son­dern ein Divi­du­um und abhän­gig von Pfa­den, Ful­cren und Erwar­tun­gen! Mei­ne Frei­heit ist nur so groß wie die Pfad­ge­le­gen­hei­ten, die mir offen­ste­hen! Und selbst die hän­gen von ver­gan­ge­nen Ent­schei­dun­gen oder Ande­ren ab!

Aber genau hier kommt der Hoff­nungs­schim­mer – denn Micha­el See­mann Theo­rie sagt auch: Ja, du bist abhän­gig von Netz­wer­ken – aber genau das gibt dir auch Macht! Du bist hand­lungs­fä­hig, weil du ler­nen kannst, die Pfa­de, Ful­cren und Erwar­tun­gen in dei­nem Netz­werk zu erken­nen, zu nut­zen oder neue zu bau­en. Bei Micha­el See­mann wird „Frei­heit“ zur Agen­cy – der Fähig­keit, Abhän­gig­kei­ten stra­te­gisch zu gestalten.

Wer profitiert von deinen Wegen?

Bis hier­hin habe ich ver­sucht zu erklären:

  • Divi­du­en han­deln in Netzwerken.
  • Pfad­ge­le­gen­hei­ten sind ihre Handlungsoptionen.
  • Ful­cren sind die Dreh­punk­te, die die­se Optio­nen ermöglichen.
  • Erwar­tungs­er­war­tun­gen und Pfad­ab­hän­gig­kei­ten sta­bi­li­sie­ren die Pfade.
  • Agen­cy bedeu­tet, die­se Struk­tu­ren klug zu nutzen.

Aus die­ser theo­re­ti­schen Basis ent­wi­ckelt Micha­el See­mann sei­ne „Poli­ti­sche Öko­no­mie der Pfad­ge­le­gen­hei­ten“. Denn: Wer kon­trol­liert die­se Pfa­de? Wer pro­fi­tiert davon? Und war­um ist es so schwer, Alter­na­ti­ven zu schaf­fen? Die Poli­ti­sche Öko­no­mie der Pfad­ge­le­gen­hei­ten zeigt, wie Macht und Wert in ver­netz­ten Sys­te­men ent­ste­hen – und war­um man­che Akteu­re (Platt­for­men, Kon­zer­ne, Staa­ten) die Regeln zu ihren Guns­ten gestalten.

Wert ent­steht in ver­netz­ten Sys­te­men dort, wo Akteu­re Ful­cren kon­trol­lie­ren, von denen die Pfad­ge­le­gen­hei­ten ande­rer abhän­gen. Macht ist die Fähig­keit, die­se Abhän­gig­kei­ten zu struk­tu­rie­ren – und Inter­de­pen­denz ist das Feld, in dem die­ser Kampf um Wert stattfindet. 

Ein Ver­mie­ter eig­net sich Wert an, weil er das Ful­crum „Wohn­raum“ kon­trol­liert – und damit die Pfad­ge­le­gen­heit „Woh­nen“ für Mieter:innen struk­tu­riert. Wert ist also rela­tio­nal. Die Woh­nung des Ver­mie­ters ist den poten­zi­el­len Mieter:innen etwas wert. Also kann man den Wert umver­tei­len – indem man die Ful­cren demo­kra­ti­siert. Damit ändern wir die Spielregeln.

Ich fin­de die Theo­rie äußerst span­nend. Wenn man sie ein wenig ver­stan­den hat, funk­tio­niert sie wie ein Rönt­gen­blick für gesell­schaft­li­che Ver­hält­nis­se. Man kann die Struk­tu­ren erken­nen, die dafür sor­gen, dass die Welt so ist, wie sie ist. Und man ahnt, wo die Ansatz­punk­te sind, um sie bes­ser für alle zu machen.

Micha­el See­mann schreibt natür­lich noch viel mehr. Aber viel­leicht hilft mein Text beim Einstieg.

Links
  • Micha­el See­mann: Divi­du­um
  • Micha­el See­mann: Pfad­ge­le­gen­heit
  • Micha­el See­mann: Hebel:Fulcrum-Mechanik
  • Micha­el See­mann: Inter­de­pen­denz-Theo­rie und Machtformel-Explainer
  • Micha­el See­mann: Die poli­ti­sche Öko­no­mie der Pfadgelegenheiten
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kaffeeringe.de @blog@kaffeeringe.de · Apr 05, 2026
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Schneller im Hamsterrad

Mich hat die Rede von Lars Kling­beil bei der Ber­tels­mann Stif­tung wirk­lich wütend gemacht. Er sagt, die Deut­schen sei­en bereit Opfer zu brin­gen – er sagt aber nicht, wozu. Wir sol­len ein­fach nur mehr arbei­ten, weil Poli­tik und Wirt­schaft in der Ver­gan­gen­heit die Wei­chen falsch gestellt haben.

Muti­ge Refor­men für Deutsch­land – Grund­satz­re­de von Vize­kanz­ler Lars Klingbeil
Mutige Reformen für Deutschland - Grundsatzrede von Vizekanzler Lars Klingbeil
Die­ses Video auf You­Tube ansehen

Erst wenn Du das Video star­test, wer­den Daten an You­Tube über­mit­telt. Sie­he Daten­schutz­er­klä­rung

Es war ein­fach eine schlech­te Rede, die Vize­kanz­ler, Finanz­mi­nis­ter und zuletzt auch SPD-Vor­sit­zen­der Lars Kling­beil unter dem Titel „Refor­men für ein star­kes Land“ da gehal­ten hat.

Men­schen kamen in sei­ner Rede nicht vor. Nicht ein­mal die übli­che rhe­to­ri­sche „Kran­ken­schwes­ter“, die die­ses oder jenes braucht. Es war eine blut­lee­re Anein­an­der­rei­hung von Sub­stan­ti­ven. Lars Kling­beil hat die Instru­men­te gezeigt, mit denen er Deutsch­land wie­der groß­ar­tig machen will. Wie bei einer Folter.

Er über­springt es, ein Bild des Gro­ßen Gan­zen zu ent­wer­fen – eine Zukunft, die er errei­chen will. Es scheint ohne­hin allen klar zu sein, dass alles irgend­wie anders wer­den muss. Poli­ti­ker und Kon­zern­ma­na­ger haben Wei­chen falsch, nicht oder zu spät gestellt. So kön­ne es nicht wei­ter gehen. Des­we­gen, ers­ter Punkt: Arbeits­markt. Die Arbei­ter sol­len es aus­ba­den und mehr arbei­ten. Und die wol­len das sogar so. Aus Lie­be zu Deutschland.

„Opfer bringen“ vs. Solidarität

„Mein Gefühl ist, die Men­schen in unse­rem Land sind auch bereit, Opfer zu brin­gen und Ver­än­de­run­gen zu akzep­tie­ren,“ sagt er und ergänzt, „Aber sie wol­len, dass es gerecht zugeht und sie kei­ner Will­kür aus­ge­setzt sind. Das muss die Mess­lat­te für unse­re Refor­men sein.“

Dein Gefühl täuscht Dich, Lars. Men­schen brin­gen Opfer, wenn sie gezwun­gen wer­den. Sie sind aber soli­da­risch, wenn sie wis­sen wofür. Denn Soli­da­ri­tät ist kein Ver­zicht, wenn ich weiß: Mein Bei­trag macht uns alle stär­ker! Das haben wir in Coro­na gese­hen. Das haben wir 2015 gese­hen, als die Men­schen von dem Krieg in Syri­en zu uns geflo­hen sind. Das haben wir nach 9/​11 gese­hen oder nach der Wen­de 1989. Des­we­gen bezah­le ich ger­ne Steu­ern – im Gegen­satz zu den­je­ni­gen, die viel mehr von Deutsch­land pro­fi­tie­ren als ich.

Ich erin­ne­re mich an 2015, als Nach­barn spon­tan Sach­spen­den für Geflüch­te­te orga­ni­sier­ten. Das war Soli­da­ri­tät. Nicht weil jemand es befoh­len hat – son­dern weil es rich­tig war.

Deutschland braucht nicht mehr Arbeit, sondern ein neues Modell

Die deut­sche Wirt­schaft schwä­chelt nicht, weil wir zu wenig arbei­ten. Die deut­sche Wirt­schaft schwä­chelt nicht, weil Frau­en zu viel in Teil­zeit arbei­ten. Die deut­sche Wirt­schaft schwä­chelt nicht, weil Men­schen alt wer­den und in Ren­te gehen. Sie schwä­chelt, weil die deut­sche Wirt­schaft alten Scheiß pro­du­ziert, den nie­mand auf der Welt mehr kau­fen will. Din­ge, die nicht zu einer Zukunft pas­sen, die Lars Kling­beil aber auch nicht beschrei­ben kann.

Weil die Bun­des­re­gie­run­gen seit min­des­tens 25 Jah­re sich kei­ner Mühe mehr gege­ben haben, irgend­ein Zukunfts­bild zu ent­wer­fen und zu kom­mu­ni­zie­ren – eine Mis­si­on fürs Land aus­zu­ge­ben, gibt es nichts, an dem sich Unter­neh­men ori­en­tie­ren können.

In den letz­ten Jah­ren ist es sogar noch schlim­mer gewor­den, wenn abge­schlos­se­ne The­men wie­der auf­ge­macht wer­den, und Atom­kraft, Ver­bren­nungs­au­tos und Ölhei­zun­gen wie­der zu einer Opti­on wer­den sol­len, weil sie durch irgend­ei­ne Zau­ber­tech­nik „grün“ gemacht wer­den könnten. 

War­um inves­tie­ren Unter­neh­men nicht in Zukunfts­tech­no­lo­gien? Weil der Staat kei­ne kla­re Rich­tung vor­gibt – und sie lie­ber kurz­fris­ti­ge Gewin­ne machen.

Es arbei­ten heu­te so vie­le Men­schen in Deutsch­land, wie noch nie zuvor. In den nächs­ten Jah­ren gehen aber Mil­lio­nen mehr Men­schen in Ren­te als neu in den Arbeits­markt kom­men. Gleich­zei­tig soll noch ein zusätz­li­cher Jahr­gang für die Wehr­pflicht aus dem Arbeits­markt genom­men wer­den. Das kann doch nie­mand mit Mehr­ar­beit auf­fan­gen. Nicht mit Voll­zeit für alle, nicht mit Ren­te ab 80. 

Wer sind die „guten“ Ausländer?

Die „Aus­län­der-Raus-Poli­tik“ der Bun­des­re­gie­rung seit dem letz­ten Olaf-Scholz-Jahr hilft über­haupt nicht dabei, das Pro­blem abzu­mil­dern. Ja, Lars Kling­beil spricht das an: „Die Migra­ti­on der letz­ten Jah­re sta­bi­li­siert die deut­schen Sozi­al­sys­te­me erheb­lich – auch wenn man­che den Ein­druck erwe­cken, das Gegen­teil sei der Fall. […] Zuwan­de­rung allein wird aber nicht aus­rei­chen, um das Arbeits­vo­lu­men in Deutsch­land zu erhö­hen. Dafür braucht es wei­te­re Strukturreformen.“

Fak­tisch aber wei­sen wir ille­gal die Men­schen an der Gren­ze ab und las­sen sie sogar zu hun­der­ten im Mit­tel­meer ersau­fen. 80 % der Syrer will die Bun­des­re­gie­rung nach Syrer remi­grie­ren. Men­schen, die in Deutsch­land seit über 10 Jah­ren leben, ler­nen und lie­ben. Die zu einem grö­ße­ren Anteil in sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger Arbeit sind als in die deut­sche Gesamt­be­völ­ke­rung. Gleich­zei­tig spre­chen wir über Anwer­bung von Men­schen aus Marok­ko, Kir­gi­si­en oder Vietnam.

Ich hät­te mal eine Über­sicht: Wel­ches sind jetzt gute Aus­län­der und wel­ches schlech­te? Und ich hät­te ger­ne eine Erklä­rung für die­se Poli­tik, die nicht „Ras­sis­mus“ lautet.

„Ich bin stolz, in die­sem Land zu leben,“ sagt Lars Kling­beil. Ich möch­te auch nir­gend­wo anders leben. Aber stolz macht mich so ein Land nicht.

Es arbei­ten der­zeit so vie­le Men­schen wie noch nie. Es wer­den aber weni­ger. Das wer­den wir nicht mit Mehr­ar­beit auf­fan­gen – nur mit Inno­va­ti­on und Pro­duk­ti­vi­tät. Ich fin­de es rich­tig, das Ehe­gat­ten­split­ting abzu­schaf­fen. Aber nicht, weil es die Deut­sche Wirt­schaft ret­ten wür­de, wenn alle Men­schen Voll­zeit arbei­ten. Das Ehe­gat­ten­split­ting macht Frau­en finan­zi­ell von den Män­nern abhän­gig. DAS darf so nicht mehr sein.

Die Sozio­lo­gin Jut­ta All­men­din­ger hat gera­de im ASK-Pod­cast „Damit die Guten gewin­nen“ erklärt, dass sie sich kei­ne Welt vor­stel­len kann, in der alle Men­schen in Voll­zeit arbei­ten, solan­ge es Kin­der und älte­re Per­so­nen gibt. Wenn die Eltern bei­de 40 Stun­den arbei­ten und noch zur Arbeit hin und zurück müs­sen – dann müs­sen doch Kin­der min­des­tens 45 Stun­de in der Woche von Frem­den betreut wer­den. War­um dann über­haupt noch Kin­der bekom­men? Die sind schlecht für die Wirt­schaft und kom­mu­na­le Kassen.

Ich ver­su­che für mich auch immer noch her­aus­zu­fin­den, wie ich Ehren­amt mit Voll­zeit­ar­beit ver­ein­ba­ren kann. Der Tag hat bei nor­ma­len Men­schen ein­fach nur 16 wache Stunden. 

Bürokratieabbau à la Musk und Milei

For­de­run­gen an die Wirt­schaft hat der SPD-Vor­sit­zen­de nicht – außer, dass die Vor­stän­de mal mehr an die Hei­mat den­ken soll­ten. „Stand­ort­pa­trio­tis­mus“! Er droht nicht mit Kon­se­quen­zen (z. B. Sub­ven­ti­ons­ent­zug, stren­ge­re Auf­la­gen) – Sank­tio­nen scheint es nur für arme Men­schen zu geben.

Im Gegen­teil: „Ich bin für radi­ka­len Büro­kra­tie­ab­bau und für deut­lich weni­ger Regu­lie­rung, wenn Sozi­al­part­ner mit Tarif­ver­trä­gen und Mit­be­stim­mung die Din­ge gemein­sam ver­ein­ba­ren. Da kann sich der Staat zurückziehen.“

„Radi­ka­len Büro­kra­tie­ab­bau“ – das ken­nen wir von Javier Milei oder Elon Musk. Selbst, wenn Lars Kling­beil es anders mei­nen soll­te. Das ist die Asso­zia­ti­on, die er erweckt. „Radi­ka­ler Büro­kra­tie­ab­bau“ klingt nach Frei­heit – aber in Wahr­heit bedeu­tet es: Mehr Macht für Kon­zer­ne, weni­ger Rech­te für die Arbeiterschaft. 

Es ist nicht ein­fa­cher für Unter­neh­men, wenn es kein ein­heit­li­ches Gesetz mehr gibt, son­dern statt­des­sen Bran­chen- und Haus-Geset­ze in Form von Tarif­ver­trä­gen und Betriebs­ver­ein­ba­run­gen. Für uns Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter ist es unsi­che­rer, wenn das kei­ne ver­bind­li­chen Regeln mehr für alle sind. Das schafft zusätz­li­che Anrei­ze für Unter­neh­men kei­ne Tarif­ver­trä­ge und Betriebs­rä­te zu haben.

Das Geschwätz von gestern

Den schlimms­ten Satz in der Rede aber fand ich: „Es ist rich­tig, dass wir das alte Bür­ger­geld abschaf­fen.“ Das ALTE Bür­ger­geld! Das von 2023! Vor gera­de ein­mal drei Jah­ren woll­te die SPD mit dem Bür­ger­geld end­lich Hartz IV über­wun­den haben. 

Vor drei Jah­ren sag­te der SPD-Vor­sit­zen­de Lars Kling­beil: „Mit dem Bür­ger­geld sorgt die Ampel­ko­ali­ti­on für die größ­te Sozi­al­re­form seit 20 Jah­ren. Und ent­wi­ckelt hat sie die SPD! Hartz IV ist damit Geschich­te. Mit dem Bür­ger­geld schaf­fen wir einen ech­ten Kul­tur­wan­del in der Grund­si­che­rung für Arbeits­su­chen­de. Wir set­zen künf­tig auf mehr Respekt und gerech­te Teil­ha­be. Die Kon­ser­va­ti­ven haben in den letz­ten Tagen immer wie­der fal­sche Behaup­tun­gen auf­ge­stellt. Rich­tig ist: Die Leu­te wol­len arbei­ten. Vie­le arbei­ten und müs­sen auf­sto­cken, weil der Lohn nicht zum Leben reicht.“

Das war etwas, für das vie­le SPD-Mit­glie­der lan­ge gekämpft haben. Das wird jetzt vom glei­chen SPD-Vor­sit­zen­den in einer Rede ein­fach weggewischt.

Wir brauchen keine Opfer – wir brauchen eine Vision

Man kann ja von Rot/​Grün, Ger­hard Schrö­der und der Agen­da 2010 hal­ten, was man will. Aber damals war klar, für was der Arbeits­markt umge­baut wer­den soll­te. Wir hat­ten 6 Mil­lio­nen Arbeits­lo­se und Men­schen steck­ten in der Sozi­al­hil­fe fest, bei der es sogar weni­ger als Hartz IV gab. Das muss­te moder­ni­siert wer­den und wur­de dann über den Bun­des­rat von CDU und FDP lei­der mas­siv ver­schärft. Aber es gehört eben auch der sozi­al-öko­lo­gi­sche Umbau dazu. Der Aus­stieg aus der Atom­kraft, der umfang­rei­che Aus­bau der Erneu­er­ba­ren Ener­gien, Ganz­tags­schu­len, Anspruch auf einen Kita-Platz usw. 

Ich mag Lars Kling­beil als Men­schen. Ich glau­be, der ver­sucht schon irgend­was rich­tig zu machen. In einem Inter­view mit der ZEIT sag­te Lars Kling­beil auf die Fra­ge, ob die SPD noch eige­ne kon­struk­ti­ve Ideen haben, wie Gesell­schaft aktiv und mit Zuver­sicht gestal­tet wer­den soll­te, anstatt nur den Sta­tus Quo zu ver­wal­ten: „Boah, die ehr­li­che Ant­wort ist, dass ich fin­de, sie hat gera­de zu wenig Ideen.“

Als Par­tei­vor­sit­zen­der muss er es schaf­fen, eine posi­ti­ve Visi­on für die Zukunft zu ent­wer­fen und nicht nur ein Arbeits­pro­gramm für die nächs­ten Mona­te, bei der die Arbeit die Ande­ren machen sol­len. Er muss es jeden­falls schaf­fen, einen Per­son für den Vor­sitz der Par­tei zu fin­den, die das kann.

Mir fehl­te bei der Ber­tels­mann-Rede nur der Abschluss „Wir müs­sen den Gür­tel enger schnallen.“ 

Wir sind auf dem fal­schen Kurs, aber ihr müsst schnel­ler werden.

Epilog

Lars Kling­beil bie­tet kei­ne Visi­on – dabei fin­de ich es nahe­lie­gend: Ein Deutsch­land, das weiß, dass Soli­da­ri­tät Stär­ke ist. Ein Deutsch­land, das Zukunft baut, statt sie zu verwalten. 

Stell dir vor: In Dres­den grün­det Fati­ma, eine syri­sche Inge­nieu­rin, die 2015 nach Deutsch­land kam, ein Start-up für nach­hal­ti­ge Bat­te­rie­tech­nik – weil Deutsch­land ihr eine Chan­ce gab. 

Wäh­rend­des­sen baut Tom, ein ehe­ma­li­ger Koh­le­kum­pel aus der Lau­sitz, mit sei­nen Kol­le­gen eine Fabrik für Solar­pa­nels um – finan­ziert durch einen staat­li­chen Trans­for­ma­ti­ons­fonds, der Arbeits­plät­ze sichert. Und in Ber­lin ent­wi­ckelt Aisha, deren Eltern aus Gha­na ein­wan­der­ten, eine Sys­tem für kreis­lauf­fä­hi­ge Mode, weil sie weiß: „Unse­re Wirt­schaft muss end­lich etwas pro­du­zie­ren, das die Welt wirk­lich braucht.“ Ein Land, das ver­steht: Wirt­schaft ist kein Selbst­zweck, son­dern ein Mit­tel für ein gutes Leben – für alle.

Ein Deutsch­land, das Ein­wan­de­rung end­lich als Chan­ce begreift – ohne Men­schen zu sor­tie­ren. Wie in Mün­chen, wo Meh­met, der seit 20 Jah­ren als Kran­ken­pfle­ger arbei­tet, end­lich die deut­sche Staats­bür­ger­schaft bekommt – nicht nach einem doo­fen Test, son­dern weil er seit Jah­ren Steu­ern zahlt, Men­schen pflegt und in sei­nem Vier­tel den Fuß­ball­club trainiert. 

Oder wie in Ham­burg, wo Lena, eine Grund­schul­leh­re­rin, mit ihren Schüler:innen ein Will­kom­mens­pro­jekt für neu ange­kom­me­ne Fami­li­en orga­ni­siert – weil Inte­gra­ti­on kein Papier­kram, son­dern geleb­te Nor­ma­li­tät ist. 

Wo Omar, der in Damas­kus Medi­zin stu­dier­te, nicht jah­re­lang auf die Aner­ken­nung sei­ner Abschlüs­se war­tet, son­dern inner­halb von sechs Mona­ten in einem Kran­ken­haus in Köln arbei­ten kann. Ein Land, das Viel­falt nicht nur auf Pla­ka­ten fei­ert, son­dern im All­tag lebt – weil es weiß, dass sei­ne Zukunft davon abhängt.

Ein Deutsch­land, das Arbeit neu denkt: weni­ger Het­ze, mehr Sinn. Wie bei Sophie, die als Allein­er­zie­hen­de in Teil­zeit als Erzie­he­rin arbei­tet und trotz­dem genug ver­dient, um ihre Mie­te zu zah­len – weil Care-Beru­fe end­lich fair bezahlt wer­den. Oder wie bei Mar­kus, der nach 30 Jah­ren im Schicht­dienst bei BMW jetzt nur noch 30 Stun­den arbei­tet – bei vol­lem Lohn­aus­gleich, weil sein Betrieb erkannt hat: Aus­ge­brann­te Mit­ar­bei­ter sind kein Gewinn. 

Wo Eltern wie Anna und David nicht mehr zwi­schen Kar­rie­re und Kin­dern wäh­len müs­sen, weil es flä­chen­de­cken­de Ganz­tags-Kitas und ech­te Vater­schafts­mo­na­te gibt. Und wo Rent­ner wie Wolf­gang, der 40 Jah­re lang Bus fuhr, nicht mit 67 in die Alters­ar­mut rut­schen, son­dern mit einer Ren­te, die wirk­lich zum Leben reicht.

Ein Deutsch­land, das Soli­da­ri­tät nicht ein­for­dert, son­dern vor­lebt. Wo Fami­li­en wie die Çeliks, die in Neu­kölln ein Café betrei­ben, nicht mehr fürch­ten müs­sen, von Spe­ku­lan­ten ver­trie­ben zu wer­den – weil es einen Mie­ten­de­ckel und star­ke kom­mu­na­le Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten gibt. 

Wo Unter­neh­me­rin­nen wie Bri­git­te, die eine Bio-Bäcke­rei in Bay­ern führt, nicht gegen Dis­coun­ter-Kon­zer­ne ver­liert, son­dern durch regio­na­le För­der­pro­gram­me und fai­re Steu­ern eine Chan­ce hat. Und wo Stu­den­ten wie Jan­nik nicht mehr neben­bei bei Lie­feran­do schuf­ten müs­sen, weil das BAföG end­lich wie­der für alle reicht. 

Ein Land, das weiß: Stär­ke ent­steht nicht durch Ver­zicht, son­dern durch Gemein­schaft – und in dem Men­schen wie Fati­ma, Tom, Meh­met oder Sophie nicht nur über die Run­den kom­men, son­dern gestal­ten kön­nen. Star­ke Men­schen, die ihr Leben selbst in die Hand neh­men können.

Vie­le von uns ver­su­chen schon lan­ge, in die­sem Deutsch­land zu leben. Staat und Wirt­schaft dür­fen dem nicht län­ger im Weg stehen. 

Lars, fra­ge Dich, was die Men­schen stark macht! Das wäre für mich eine Visi­on. Eine, für die es sich lohnt, zu kämpfen.

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kaffeeringe.de @blog@kaffeeringe.de · Mar 30, 2026
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Die Ausbreitung der Überwachung

Trump ist kein Unfall, son­dern die logi­sche Kon­se­quenz eines län­ge­ren Pro­zes­ses. Es zeigt aber auch, wohin uns die­ser Weg füh­ren wird.

2013 war es ein rie­si­ger Skan­dal, als der NSA-Mit­ar­bei­ter Edward Snow­den auf­deck­te, wie tief die US-Geheim­diens­te in die digi­ta­len Leben der Men­schen in aller Welt ein­grif­fen. Mit den Big-Tech-Kon­zer­nen gibt es Abma­chun­gen, die den Zugriff regeln. Die Kon­zer­ne las­sen sich den Zusatz­auf­wand gut bezah­len. Ich wun­de­re mich immer, dass alle das ver­ges­sen haben. Oder habe ich ver­passt, dass die USA glaub­haft erklärt haben, dass sie nicht mehr zusam­men mit den „Five Eyes“ alle Men­schen über­wa­chen? Es ist gar kein The­ma mehr ist – nicht ein­mal im Zusam­men­hang mit der aktu­el­len Dis­kus­si­on über „Digi­ta­le Souveränität“.

Wie aktu­ell das The­ma heu­te noch ist, wur­de mir klar gewor­den, als ich neu­lich die­sen SPIE­GEL-Arti­kel von 2013 noch ein­mal gele­sen habe. Donald Trumps Poli­tik ist die kon­se­quen­te Fort­set­zung von sei­nen Vor­gän­gern Barack Oba­ma und Geor­ge W. Bush.

Der Arti­kel beschreibt, dass vor 9/​11 Krieg eine Ange­le­gen­heit zwi­schen Staa­ten war. Das hat die US-Regie­rung dann geändert:

„Nun tritt unter Beru­fung aufs Kriegs­recht ein über­mäch­ti­ger Staat in ande­ren Staa­ten auf – gegen die führt er aber kei­nen Krieg, son­dern einen all­täg­li­chen Klein­krieg gegen ein­zel­ne Bür­ger in die­sem Staat. Staat gegen Mensch statt Staat gegen Staat: Es ist die­sel­be Asym­me­trie, die sich nun in der welt­wei­ten Spio­na­ge der USA zeigt.“

Das, was die US-Regie­rung in Afgha­ni­stan und dem Irak erprobt hat, pas­siert jetzt auch IN den USA: Wir sind heu­te 13 Jah­re wei­ter mit der Tech­no­lo­gie als 2013 und mit Palan­tir kann die Regie­rung wei­test­ge­hend auf die Daten sei­ner Bürger*innen zugrei­fen und sie aus­wer­ten – Grund­la­ge für den Ter­ror von ICE.

Die Tat­sa­che, dass man jetzt bei der Ein­rei­se in die USA ange­ben soll, wie man im Digi­ta­len zu fin­den ist, zeigt dass die USA auch auf alle unse­rer Daten zugrei­fen. Wenn es so wei­ter geht, wie bis­her, dann wer­den die USA die­se Mög­lich­kei­ten auch gegen ihre Fein­de im Aus­land stär­ker einsetzen.

Wie groß die­ses Pro­blem auch bei uns ist, sieht man dar­an, dass der Ein­satz von Palan­tir nicht nur erwo­gen, son­dern sogar umsetzt wird. Dass immer wie­der über die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung dis­ku­tiert wird und sogar der Zugriff auf sämt­li­che Chat-Inhal­te im Gespräch ist. Der BND plant ein „Mini-NSA“ für Deutsch­land. In den USA kön­nen wir sehen, wofür das dann in Zukunft ein­ge­setzt wird.

Es ist die­se grund­sätz­li­che Ver­ach­tung der Men­schen durch die­je­ni­gen, die poli­tisch oder wirt­schaft­lich mäch­tig sind, die hier in Soft­ware gegos­sen und gegen die Men­schen ein­ge­setzt wird. Erst gegen Men­schen im Aus­land, die zu Fein­den erklärt wer­den. Dann gegen ein­ge­wan­der­te Men­schen im Inland und dann gegen jeden, der etwas dage­gen hat. 

Big-Tech und Faschis­mus tei­len das Inter­es­se, alles über alle wis­sen zu wol­len. Hier kom­men sie zusam­men. Faschis­mus ist gut für das Geschäft und der Zugriff auf die pri­va­ten Daten­samm­lun­gen zemen­tie­ren die Macht.

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kaffeeringe.de @blog@kaffeeringe.de · Mar 27, 2026
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Schlimmer als ein besoffener Praktikant

For­schen­de haben mit KI-Agen­ten von Open­Claw expe­ri­men­tiert und die Ergeb­nis­se waren ver­hee­rend, berich­tet die Jour­na­lis­tin Eva Wol­fan­gel (@evawolfangel@chaos.social) in der ZEIT.

Die For­schen­den haben meh­re­re KI-Agen­ten ein­ge­rich­tet, ihnen ein Mail-Post­fach und einen Dis­cord-Ser­ver gege­ben, um sich mit­ein­an­der zu unter­hal­ten. Mit ein­fachs­ten Tricks gelang es den Men­schen, die Sys­te­me zu über­töl­peln. Am Ende lösch­te einer der Bots ein­fach das kom­plet­te Mail­post­fach, statt nur eine Mail zu löschen.

KI-Agen­ten sind gera­de der gro­ße Hype im noch grö­ße­ren KI-Hype: Sprach­mo­del­le, die nicht auf Ein­ga­ben und Anwei­sun­gen war­ten, son­dern selbst­stän­dig Din­ge tun und dafür Zugang auf sämt­li­che Res­sour­cen des Eigen­tü­mers bekom­men. Dafür sol­len sie dann wirk­lich end­lich pro­duk­tiv dabei hel­fen, Arbeit für die Men­schen zu erledigen.

Ich gucke mir das an und den­ke nur: Wie soll denn ein Sys­tem, das schon bei nor­ma­len Prompts und Aus­ga­ben so oft schief liegt, sich selbst Prompts schrei­ben, die bes­ser sind? Das muss doch mit jedem Prompt schlim­mer werden.

Aber dann kom­men die­se Lin­ke­dIn-Exper­ten (nie sind es Frau­en) und erzäh­len, dass die Aus­ga­be von LLMs inzwi­schen schon viel bes­ser sind und prak­tisch immer rich­tig lie­gen. Man kön­ne die Sicher­heits­pro­ble­me easy in den Griff bekommen.

Aber man kann doch nur eine Auto­ma­tik auf sicher­heits­re­le­van­te Funk­tio­nen los­las­sen, die zumin­dest so weit deter­mi­nis­tisch ist, dass sie bestimm­te Din­ge nie­mals tut. Das geht doch nicht mit Sys­te­men, die man ein­fach „über­re­den“ kann, es doch zu tun. Das ist ja schlim­mer als ein besof­fe­ner Praktikant.

Links
  • DIE ZEIT: Das ist erst der Anfang des Chaos
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kaffeeringe.de @blog@kaffeeringe.de · Mar 18, 2026
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Was Nextcloud von Microsoft lernen kann

Ich fin­de Micro­soft Teams unprak­tisch und häss­lich. Da muss sich kei­ne freie Alter­na­ti­ve ver­ste­cken. Aller­dings könn­te Next­cloud aus den Feh­lern von Micro­soft lernen.

Für mich ist Teams ein wenig wie ein schlech­tes Betriebs­sys­tem als Anwen­dung auf einem mit­tel­mä­ßi­gen Betriebs­sys­tem. Es ist ja toll, was sich Micro­soft da so im Lau­fe der Zeit zusam­men­ge­kauft und jetzt in eine ein­zi­ge Anwen­dung gequetscht hat. Und das auch noch auf­ge­pfropft auf einer Uralt-Tech­nik wie E‑Mail bzw. Exchange.

Aber alles in eine Anwen­dung zu schie­ben macht es nicht zu einem durch­gän­gi­gen Erleb­nis. Nichts funk­tio­niert zusam­men. Das war frü­her, unter Win­dows schon bes­ser. Dafür sind die Klick­we­ge end­los und die Klick­flä­chen irgend­wo mit­ten in der Anwen­dung. Usa­bi­li­ty aus der Hölle. 

Bei Win­dows gibt es extra eine Task­leis­te am unte­ren Bild­schirm­rand. Da kann man leicht alle akti­ve Anwen­dun­gen fin­den. Immer an der glei­chen Stel­le. Und weil die Klick­flä­chen bis an den Rand rei­chen kann ich mei­ne Maus da ein­fach gegen den Rand schie­ben. die Flä­chen sind prak­tisch end­los groß nach unten. Das Glei­che gilt für die alten Menüs am obe­ren Bild­schirm­rand. Alles Wich­ti­ge war bei Win­dows immer an die­sen gut erreich­ba­ren Positionen. 

Man konn­te meh­re­re Pro­gram­me gleich­zei­tig geöff­net haben und zwi­schen den Pro­gramm mit Maus oder Tas­ta­tur hin- und her schal­ten. Teams hat nur ein Fens­ter und in dem muss ich alles machen. Ich muss die Teams wech­seln, den Kanal fin­den, den Chat scrol­len oder im Menü oben die Anwen­dung fin­den, die ich gera­de brau­che. Wenn ich gleich­zei­tig etwas in einem ande­ren Kanal nach­gu­cken will, scheint das gar nicht vor­ge­se­hen zu sein.

Ja, ich kann auch meh­re­re Team-Fens­ter öff­nen. Aber wer macht das? Ich mache das bei jedem Neu­start: Teams Akti­vi­tä­ten, Chat, Teams, Plan­ner, CoPi­lot usw. alles öff­ne ich in einem eige­nen Fens­ter. Net­ter­wei­se fehlt in den Zusatz­fens­tern immer das App-Menü, so dass es mir nicht pas­siert, dass ich aus Ver­se­hen aus dem Chat-Fens­ter in Plan­ner wech­sel und dann zwei Plan­ner offen habe – so wie mir das bei Out­look immer passiert.

Die­ser Micro­soft-Kram hat ein­fach eine Bedien­ober­flä­che aus der Höl­le. Aber es funk­tio­niert her­vor­ra­gend als Bei­spiel, an dem man ler­nen kann, wie man es nicht machen sollte.

Was bei Nextcloud besser ist

Next­cloud kann inzwi­schen auch alles, was ein nor­ma­les Büro braucht. Aber die Tei­le sind viel bes­ser mit­ein­an­der inte­griert. Ich kann aus einem Chat eine Auf­ga­be anle­gen und zuwei­sen. Ich kann Mails ver­schi­cken mit Anhän­gen, die irgend­wo in der Cloud liegen.

Sehr cool ist es auch, dass die offe­nen Schnitt­stel­len es ermög­li­chen, dass ich ein­fach mit mei­nen Lieb­lings-Anwen­dun­gen auf die Next­cloud als Hub zugrei­fen kann. Mails über die Next­cloud-App, Thun­der­bird auf dem Rech­ner oder als App auf dem Smart­phone. Kalen­der auf dem Han­dy oder dem Rechner. 

Fotos wer­den auto­ma­tisch vom Han­dy hoch­ge­la­den und her­un­ter auf mei­nen Com­pu­ter. Über­all habe ich mei­ne Kon­takt­da­ten und Noti­zen kann ich auch in mei­ner Lieb­lings­app machen. Datei­en sind über ein vir­tu­el­les Datei­sys­tem oder die App ein­ge­bun­den. Ich kann Micro­soft Office benut­zen, oder Lib­re Office oder Col­la­bo­ra Desk­top. Ich kann sogar mei­ne Musik aus der Next­cloud auf Cli­ents auf dem Han­dy oder im Auto strea­men und Pod­casts syn­chro­ni­sie­ren. Win­dows, Linux, Mac, iPho­ne, Android… egal. 

Talk als eigen­stän­di­ge Anwen­dung war sicher ein klu­ger Schritt. Das ist eben nicht nur die „Micro­soft Teams“ Alter­na­ti­ve. Durch die tie­fe­re Inte­gra­ti­on der Next­cloud-Apps unter­ein­an­der, kann das tat­säch­lich das Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Bedien­zen­trum des Next­cloud-Hub wer­den – wenn es nicht so über­la­den wird. 

Aller­dings ist Next­cloud aus einer Datei­ab­la­ge im Brow­ser ent­stan­den. Über Apps kamen dann immer mehr Funk­tio­nen dazu und inzwi­schen ist das eine kom­plet­te Office-Suite im Brow­ser. Nicht für alles gibt es Pror­gam­me oder Apps. Aber eben stan­dard­mä­ßig auch in einem ein­zi­gen Brow­ser-Tab. Die Soft­ware sagt einem nicht: „Mach doch ein­fach meh­re­re Tabs auf.“ Und ehr­lich: Mit meh­re­ren offe­nen Tabs wird der Brow­ser auch zum Betriebs­sys­tem im Betrieb­sys­tem. So wirk­lich prak­tisch ist das auch nicht.

Ja. Es ist ein wenig para­dox: War es nicht gera­de ein Vor­teil, wenn Soft­ware im Brow­ser statt auf einem Betriebs­sys­tem läuft? Ja. Gene­rell ist das cool. Aber für kom­ple­xe Sys­te­me ist das eine Über­for­de­rung des Brow­sers. Für die Ser­ver­sei­te von Next­cloud gibt es das All-In-One-Paket. So etwas bräuch­te es auch für die Cli­ent-Sei­te: Eine App-Suite?

Ich den­ke, dass es wich­tig ist, dass Next­cloud noch mehr die Mög­lich­kei­ten der Betriebs­sys­te­me nutzt, um noch mehr von deren Usa­bi­li­ty und alt­be­währ­ten Funk­tio­nen und geüb­ten Gewohn­hei­ten zu pro­fi­tie­ren. Wenn es Next­cloud dann noch schafft, die Fede­ra­ti­on auf das gesam­te Sys­tem aus­zu­wei­ten und exter­ne User zu Usern ers­ter Klas­se zu machen, dann ist das der Killer!

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kaffeeringe.de @blog@kaffeeringe.de · Mar 08, 2026
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Warum Unternehmen NIS2 immer noch ignorieren

„War­um müs­sen Unter­neh­men eigent­lich erst per Gesetz zum Han­deln gezwun­gen wer­den,“ hat Heinz Roh­de am Don­ners­tag beim „Tech Dia­log 2026“ der ennit GmbH, Kiel mit Blick auf NIS2 gefragt. Berech­tig­te Frage.

Es war wie der Run­ning Gag des Tages: Geschäfts­füh­run­gen stün­den mit einem Bein im Gefäng­nis, wenn sie sich nicht an die­se Cyber-Sicher­heits­re­geln hielten.

Das Pro­blem sind aber weder das Gesetz noch die Haf­tung. Wer wegen Ver­stö­ßen gegen NIS2 im Knast lan­det, hat vor­her so viel falsch gemacht, dass es sei­ne Fir­ma ver­mut­lich ohne­hin nicht mehr gibt. Ein staat­lich finan­zier­tes Dach über dem Kopf, ist das noch das Bes­te, das einem pas­sie­ren kann.

In zu vie­len Unter­neh­men ist noch nicht ange­kom­men, dass Com­pu­ter kei­ne elek­tri­schen Schreib­ma­schi­nen mehr sind. Sämt­li­chen Geschäfts­pro­zes­se lau­fen heu­te in irgend­wel­chen Clouds. Damit ist das Unter­neh­men davon abhän­gig, dass der Kram immer funk­tio­niert. Und in eini­gen Fäl­len nun ein­mal auch die Sicher­heit der Gesellschaft 

Geschäfts­füh­run­gen müs­sen sich damit beschäf­ti­gen, wie ihr Unter­neh­men funk­tio­niert – auch wenn sie dafür mit die­sen Nerds im Kel­ler reden müssen.

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kaffeeringe.de @blog@kaffeeringe.de · Mar 04, 2026
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Big-Tech nutzen – Ja oder Nein?

„Wenn du Micro­soft boy­kot­tierst, war­um nutzt du dann ein Android-Han­dy!?“ Die­ser sar­kas­ti­sche Kom­men­tar ist kein Argu­ment. Er ist ein Trick. Denn er sug­ge­riert: Ent­we­der du passt dich kri­tik­los an – oder du ver­zich­test auf alles. Bei­des ist gelo­gen. Es gibt eine drit­te Option.

Die Schlau­mei­er sind gera­de wie­der auf Lin­ke­dIn aktiv. Ihre Argu­men­ta­ti­on geht so: „Wenn Du Dienst XY aus ethi­schen Grün­den nicht benut­zen willst, dann müss­tet Du auch auf die Diens­te A, B, C, D, E, F, G, H, I, J ver­zich­ten. Das machst Du nicht. Des­we­gen bist Du ein Heuch­ler.“ So schie­ßen sie bspw. gegen Open-Source oder, dass man Kon­se­quen­zen aus der Kri­tik an Open AI zieht. 

Der moralische Purismus

Neu­lich schrieb einer:

„ChatGPT kün­di­gen und sich mora­lisch über­le­gen füh­len. Wäh­rend das Smart­phone in der Hand auf Tech­no­lo­gie läuft, die von genau den Indus­trien stammt, die man ver­ach­tet […] Wer glaubt, er kann die Frucht essen und den Baum ver­leug­nen, hat das Öko­sys­tem nicht ver­stan­den.[…] Deal with it!“

Das ist kein Auf­ruf zur Ehr­lich­keit. Das ist die Kapi­tu­la­ti­on vor dem Sys­tem. Denn wer „Deal with it“ sagt, akzep­tiert nicht nur die Ver­hält­nis­se – er ver­tei­digt sie.“

Ja, die digi­ta­le Welt ist kaputt. Bei Big-Tech ist Aus­beu­tung kein Bug, son­dern Busi­ness­mo­dell. Das Pro­blem ist nicht, dass die­se Kon­zer­ne „böse“ sind. Das Pro­blem ist, dass sie genau das tun, wie sie sol­len: Als Pro­fit­ma­schi­nen behan­deln sie Men­schen, Demo­kra­tie und Pla­net als Kollateralschaden.

Ethik? Ein Fei­gen­blatt. Ver­ant­wor­tung? Exter­na­li­siert. Und wir? Ein­ge­bun­den in ein Sys­tem, das uns weis­ma­chen will, wir hät­ten kei­ne Wahl – wäh­rend es uns gleich­zei­tig die Illu­si­on von „Frei­heit“ ver­kauft, solan­ge wir brav kli­cken, scrol­len, kaufen.

„Deal with it!“ – das ist das genaue Gegen­teil von dem, was Ador­no mit „Es gibt kein rich­ti­ges Leben im Fal­schen“ mein­te. Sein Satz war kei­ne Auf­for­de­rung zur Resi­gna­ti­on, son­dern eine Dia­gno­se: In einer kaput­ten Welt gibt es kei­ne unschul­di­gen Lösun­gen – aber das heißt nicht, dass wir auf­hö­ren sol­len, nach bes­se­ren zu suchen.

Wer „Deal with it“ sagt, kapi­tu­liert nicht vor der Rea­li­tät – er kapi­tu­liert vor der Mög­lich­keit, sie zu ändern. Und genau das will das Sys­tem: dass wir unse­re Wut run­ter­schlu­cken und wei­ter­ma­chen wie bisher.

Warum Verzicht keine Lösung ist

Wer kann sich leis­ten, auf alle Big-Tech-Tools zu ver­zich­ten? Die Tech-Mil­li­ar­dä­re, die ihre Kin­der von Bild­schir­men fern­hal­ten – wäh­rend sie den Rest der Welt in ihre Platt­for­men locken? Ver­zicht ist eine pri­vi­le­gier­te Haltung. 

Die Jour­na­lis­tin Kash­mir Hill hat es vor ein paar Jah­ren ein­mal ver­sucht, nach­ein­an­der auf alle Ama­zon, Goog­le, Micro­soft, Apple und Face­book zu ver­zich­ten. Schon das hat ihr Leben sehr kom­pli­ziert gemacht – auf alle gleich­zei­tig zu ver­zich­ten ist prak­tisch unmög­lich. Für uns muss des­we­gen Tech-Nut­zung immer wider­sprüch­lich bleiben.

Und selbst wenn du auf alles ver­zich­ten könn­test, ändert das nichts an den Macht­ver­hält­nis­sen. Ver­zicht ist indi­vi­du­ell – das Pro­blem ist struk­tu­rell. Indi­vi­du­el­le Moral reicht nicht aus, um gesell­schaft­li­che Wider­sprü­che auf­zu­lö­sen. Oder, um es auf die Idee des „Mora­li­schen Drei­ecks“ zu pro­ji­zie­ren: Kon­su­men­ten­ethik allei­ne reicht nicht. Der Markt allein regelt es nicht. Wir sind auf den Gesetz­ge­ber und auf Unter­neh­men ange­wie­sen, die ein Inter­es­se an ethi­schem Han­deln haben.

Die Dritte Option: „Kritische Teilhabe“

Wenn Unter­wer­fung unethisch und Ver­zicht unmög­lich ist – was bleibt uns dann als Bür­ge­rin­nen und Bür­gern? Die Ant­wort: Kri­ti­sche Teil­ha­be. Wir kön­nen das Fal­sche nicht ver­las­sen, aber wir kön­nen in ihm so leben, dass es nicht auch noch Recht bekommt.

Dazu kön­nen wir uns par­ti­ell ver­wei­gern und nur bestimm­te Tools nut­zen (z. B. Signal statt Whats­App oder Next­cloud statt One­Dri­ve). Was signa­li­siert, dass nichts alter­na­tiv­los ist.

Wir kön­nen die Tech­nik ent­zau­bern, indem wir mit unse­rer Spra­che Wider­stand gegen die Nar­ra­ti­ve der Kon­zer­ne leis­ten. Wir mei­den ver­kür­zen­de For­mu­lie­run­gen wie „Der Algo­rith­mus hat ent­schie­den“, son­dern füh­ren aus: „Men­schen haben einen Algo­rith­mus so pro­gram­miert, dass er XY begünstigt.“

Wich­tig ist es auch, Alter­na­ti­ven sicht­bar zu machen, indem wir in jedem Pro­jekt fra­gen: „Gibt es eine Open-Source-Alter­na­ti­ve?“ Kri­tik wird dann zum selbst­ver­ständ­li­chen Teil sol­cher Gespräche.

Jedes Mal, wenn ein Big-Tech-Tool Pro­ble­me macht, kön­nen wir die­se Kos­ten benen­nen: „Wäre das mit einer Alter­na­ti­ve pas­siert?“ Das macht Abhän­gig­kei­ten bewusst.

Es hilft auch in Social Media nicht nur Kri­tik an Big Tech zu pos­ten, son­dern zu sagen: „Hier ist, was ich statt­des­sen nut­ze. Und das funk­tio­niert für mich super!“ Das schafft Hand­lungs­op­tio­nen für andere.

Was ich selbst tue (und wo ich scheitere)

Ich nut­ze ein Android-Smart­phone. Es nervt mich, aber ich nut­ze es – weil es prak­tisch ist, und weil ich (noch) kei­ne prak­ti­ka­ble Alter­na­ti­ve gefun­den habe. Aber:

  • Ich habe Signal und Three­ma statt Whats­App – nicht weil ich mora­lisch bes­ser bin, son­dern weil ich nicht will, dass Meta mei­ne per­sön­li­chen Kon­tak­te vermarktet.
  • Ich nut­ze Next­cloud für mei­ne Doku­men­te, Kon­tak­te und Ter­mi­ne – nicht aus Prin­zip, son­dern weil ich kon­trol­lie­ren will, wer Zugriff hat.
  • Ich schrei­be in Libre­Of­fice – nicht weil Micro­soft Word „böse“ ist, son­dern weil ich kei­ne Lust habe, für ein Tool zu zah­len, das mich aus­spio­niert und weil es ein­fach tut, was ich will, ohne zu ver­su­chen smar­ter zu sein als ich.
  • Ich nut­ze Wero wo immer es schon geht – nicht weil Pay­Pal von Peter Thiel gegrün­det wur­de, son­dern weil ich ein­fach nur bezah­len will, ohne dass man mei­ne Ver­hal­tens­da­ten zweit-und dritt­ver­wer­tet werden.
  • Ich nut­ze Linux – nicht weil Win­dows mich über­wacht, son­dern weil ich die Viel­falt und die Mög­lich­kei­ten des frei­en Betriebs­sys­tems mag.
  • Ich nut­ze gene­rell lie­ber Open-Source – nicht weil pro­prie­tä­re Soft­ware schlecht wäre, son­dern weil ich die Selbst­be­stim­mung mag und dass ich dar­an mit­wir­ken kann, wie die Soft­ware wei­ter­ent­wi­ckelt wird.

Das ist kein Ver­zicht. Das ist Selbst­be­stim­mung im Klei­nen.
Und ja, ich schei­te­re oft. Aber jedes Mal, wenn ich eine Alter­na­ti­ve nut­ze, bewei­se ich: Es geht auch anders.

Die digi­ta­le Welt ist kaputt – aber sie ist nicht alter­na­tiv­los.
Nutzt die Tech­nik, die ihr braucht – aber lasst euch nicht von ihr for­men. Stellt die Fra­gen, die die Kon­zer­ne nicht beant­wor­ten wol­len.
Und han­delt, wo ihr könnt – nicht aus Moral, son­dern aus Selbstbehauptung. 

Links
  • Kuketz Blog: Das Tole­ranz­pro­blem der Tech-Sze­ne – Men­schen mit­neh­men statt belehren
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Big Market statt Big Tech!

Die USA haben ihre Tech-Mono­po­lis­ten. Chi­na hat sei­ne mas­si­ve staat­li­che För­de­rung. Bei­des ist nicht das, was wir in Euro­pa unter einer funk­tio­nie­ren­den Markt­wirt­schaft für digi­ta­le Dienst­leis­tun­gen ver­ste­hen. Wir müs­sen unse­ren eige­nen Weg gehen.

Die USA haben mit Sili­con Val­ley zwei­fel­los eine dyna­mi­sche Inno­va­ti­ons­kul­tur her­vor­ge­bracht – aber die­se Inno­va­tio­nen wer­den zuneh­mend von einer Hand­voll Mono­po­lis­ten kon­trol­liert, die Wett­be­werb ersti­cken. Chi­na wie­der­um zeigt, wie staat­li­che För­de­rung rasan­te Digi­ta­li­sie­rung ermög­li­chen kann – doch die­ser Ansatz ist mit euro­päi­schen Wer­ten wie Rechts­staat­lich­keit und Daten­schutz unvereinbar.

Venture-Capitalism

Unse­re Vor­stel­lung von Digi­ta­ler Tech­no­lo­gie ist geprägt von dem, was sich in den USA in den letz­ten Jahr­zehn­ten als Big-Tech aus­ge­prägt hat. Die reichs­ten glo­ba­len Kon­zer­ne der Welt, die jeweils ihren Sek­tor des Digi­ta­len domi­nie­ren und am Ran­de ein wenig mit ein­an­der kon­kur­rie­ren: Micro­soft domi­niert mit Win­dows die Desk­top-PCs. Goog­le domi­niert die Web­su­che. Aber Micro­soft hat mit Bing auch eine Such­ma­schi­ne und Goog­le hat mit Chro­me­OS ein PC-Betriebs­sys­tem. Bei­de sind eher irrelevant. 

So zieht es sich durch alle Berei­che des Digi­ta­len und ins­ge­samt kommt man nicht mehr um eine Hand­voll Kon­zer­ne her­um. Das ist nicht, was wir unter einem funk­tio­nie­ren­den Markt ver­ste­hen. In einem Markt wür­de es immer eine Viel­zahl Anbie­ter geben. 

Der Staat wür­de den Markt so orga­ni­sie­ren, dass es über­haupt vie­le Anbie­ter geben kann – so wie man es bei­spiels­wei­se bei den Tele­fon­un­ter­neh­men getan hat. Tele­kom-Kun­den kön­nen Voda­fone-Kun­den errei­chen – sie kön­nen sogar Kun­den der Stadt­wer­ke Neu­müns­ter errei­chen. Wer aber auf Face­book ist, kann nie­man­den bei Tik­Tok erreichen. 

Mit dem Digi­tal Mar­kets Act (DMA) ver­sucht die Euro­päi­sche Uni­on (EU), die­sen Markt nach­träg­lich in die digi­ta­le Welt von Big-Tech ein­zu­bau­en. Gro­ße Anbie­ter sol­len ihre Sys­tem öff­nen und zulas­sen, dass ande­re Anbie­ter ihre Nut­zer erreichen.

Die mono­pol­ar­ti­gen Posi­tio­nen, die sich die Kon­zer­ne vor allem zusam­men­ge­kauft haben, wer­den ver­stärkt durch eine Mischung aus Addic­ti­ve-Design, Dark Pat­tern, Lock-in- und Netz­werk­ef­fekt. Das stän­di­ge Wachs­tum gibt ihnen eine Geld­druck­ma­schi­ne, die sich immer grö­ßer und grö­ßer wer­den lässt. 

„Wett­be­werb ist für Verlierer.“

Peter Thiel

Dar­aus hat sich in den USA eine Wirt­schaft ent­wi­ckelt, die kom­plett domi­niert wird, durch eini­ge rie­si­ge, glo­bal agie­ren­de Kon­zer­ne. Das aktu­el­le Wirt­schafts­wachs­tum scheint der­zeit allein von den „Magni­fi­cent Seven“ zu kom­men: Apple, Ama­zon, Alpha­bet, Meta, Micro­soft, Nvi­dia und Tesla.

Die Kon­zer­ne prä­sen­tie­ren sich als Inno­va­to­ren. Dabei ersti­cken ihre Mono­po­le Inno­va­tio­nen, wenn sie Start­ups auf­kau­fen und platt machen. Sie kon­trol­lie­ren die Infra­struk­tur des Inter­nets – nicht nur mit ihren Cloud-Diens­ten wie Ama­zon Web Ser­vice oder Micro­soft Azu­re. Sie kon­trol­lie­ren auch, was wir damit machen, wenn sie unse­re digi­ta­len Bewe­gun­gen durch die rea­le und die digi­ta­le Welt tra­cken und auswerten.

Die USA set­zen den Kon­zer­nen kei­ner­lei Schran­ken: Es gibt kei­nen Daten­schutz, kei­ne Markt­re­gu­lie­rung, kei­ne Ver­ant­wor­tung für die Inhal­te oder die Aus­wir­kun­gen ihrer digi­ta­len Ange­bo­te. Selbst die lei­ses­ten Ansät­ze von Regu­lie­rung beim The­ma „Künst­li­che Intel­li­genz“ (KI) fährt das Trump-Regime zurück.

Am Ende wird das Unter­neh­men „too big to care“, wie es die US-Kar­tell­recht­le­rin Lina Khan nennt: Es muss sich weder um Kund­schaft, Beleg­schaft noch um ethi­sche Fol­gen küm­mern, weil es kei­ne ech­ten Kon­se­quen­zen mehr fürchtet.

Die Gefah­ren für unse­re Gesell­schaf­ten und unse­re Demo­kra­tien zeich­nen sich immer deut­li­cher ab. Wäh­rend die USA in der Ver­gan­gen­heit offen­bar eher diplo­ma­tisch mit den Regu­lie­rungs­be­stre­bun­gen der EU umge­gan­gen sind, ste­hen sie der Regu­lie­rung und der EU ins­ge­samt unter dem Trump-Regime feind­se­lig gegen­über. Selbst kleins­te Stra­fen wegen offen­sicht­li­cher Ver­stö­ße gegen EU-Recht wer­den von den USA als Angrif­fe gewertet.

China auf der anderen Seite

Wäh­rend die USA also den Ansatz ver­fol­gen, die ent­stan­de­nen Mono­pol­kon­zern ein­fach inter­na­tio­nal machen zu las­sen, was sie reich macht, för­dert und sub­ven­tio­niert Chi­na mas­siv die eige­nen Kon­zer­ne, damit sie inter­na­tio­nal mit­hal­ten können.

Hier steckt der Staat rie­si­ge Sum­men in die Unter­neh­men, die die aus­län­di­sche Kon­kur­renz aus­schal­ten sol­len. Man sieht es gera­de im Bereich der Auto­in­dus­trie. In der Pho­to­vol­ta­ik ist der Plan bereits auf­ge­gan­gen. Aber Chi­na setzt auch voll auf das Digi­ta­le – bei­spiels­wei­se in der Robo­tik.

Nun haben wir in Euro­pa mit Tik­Tok ein ursprüng­lich chi­ne­si­sches Medi­um, das auf den Smart­phones von Kin­dern und Jugend­li­chen ihre Welt­wahr­neh­mung prägt. Was mit den Daten aus den chi­ne­si­schen Auto pas­siert, weiß kein Mensch.

Die Form staat­li­cher Kon­trol­le über alles, was die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger machen, unter­stützt von den Kon­zer­nen wol­len wir in Euro­pa sicher nicht.

Und Europa?

Euro­pa macht das schlech­tes­te aus bei­den Wel­ten: Es will offen­bar auch Kon­zer­ne wie die USA auf­bau­en – aber irgend­wie über einen Markt und ohne mas­si­ve, staat­li­che För­de­rung. Es gibt kei­ne Fan­ta­sie für eine eige­ne Lösung. Big-Tech prägt das Bild. Des­we­gen herrscht die Mei­nung vor, wir bräuch­ten ein euro­päi­sches Ope­nAI, ein euro­päi­sches Amazon.

Mal abge­se­hen, dass das so nicht funk­tio­nie­ren kann, hät­te es auch die glei­chen Pro­ble­me, wie die USA-Kon­zer­ne. Es erstickt Inno­va­ti­on und die Kon­zer­ne domi­nie­ren am Ende die Gesellschaften. 

Wir brau­che in Euro­pa eine Wirt­schaft im mensch­li­chen Maß­stab. Unter­neh­men die mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren und poli­tisch im Zaum gehal­ten wer­den kön­nen. Eine Infra­struk­tur als Daseins­vor­sor­ge in öffent­li­cher Hand. Alles basie­rend auf Frei­er Soft­ware und offe­nen Stan­dards. Einen Big-Market!

Wie könnte ein Big-Market aussehen?

Im Big-Mar­ket gibt es vie­le klei­ne und mitt­le­re Anbie­ter, die in einem regu­lier­ten, offe­nen Öko­sys­tem mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren. Das kann nur funk­tio­nie­ren, wenn wir auf Open-Source set­zen, offe­ne Stan­dards und Daten­por­ta­bi­li­tät vor­schrei­ben und dezen­tra­le Infra­struk­tu­ren auf­bau­en. Gegrün­det auf einem star­ken, euro­päi­schen Daten­schutz – und nicht nur dem US-Fei­gen­blatt „Pri­va­cy“.

So ein Markt wäre auto­ma­tisch „sou­ve­rän“, weil Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, Unter­neh­men und Orga­ni­sa­tio­nen sich frei aus­su­chen könn­ten, wem sie die eige­nen Daten anver­trau­en. Selbst wenn die Diens­te aus den USA kom­men, gin­ge das nur unter der Prä­mis­se, dass man jeder­zeit wech­seln könn­te. Die­ser Wett­be­werb dis­zi­pli­niert die Anbie­ter und zwingt sie, sich kun­den­ori­en­tiert zu verhalten.

Die EU und ihre Mit­glieds­staa­ten müss­ten als Öffent­li­che Auf­trag­ge­ber Trei­ber eines sol­chen Mark­tes sein und bei Ver­ga­ben Open-Source deut­lich bevor­zu­gen – offe­ne Schnitt­stel­len müs­sen Pflicht bei den Anbie­tern sein. 

Es darf kei­ne Mono­po­le geben. Bei ent­spre­chen­den Ent­wick­lun­gen muss die EU recht­zei­tig ein­schrei­ten. Das ermög­licht es, dass sich Inno­va­ti­on und die bes­ten Pro­duk­te immer wie­der neu durch­set­zen kön­nen. Schöp­fe­ri­sche Zer­stö­rung im Sin­ne Joseph Schum­pe­ters und nicht nur eine Abfol­ge von immer grö­ße­ren Monopolen.

Die EU müss­te außer­dem Struk­tu­ren auf­bau­en, über die sich Open-Source-Pro­jek­te finan­zie­ren kön­nen, auch wenn sie klein sind. Die bis­her übli­che EU-För­der­pra­xis über­for­dert klei­ne Teams, die eigent­lich Soft­ware ent­wi­ckeln wol­len. Ein EU-Sove­reign-Tech-Fund könn­te das übernehmen.

In Schles­wig-Hol­stein gibt es seit ein paar Jah­ren über den Digitalhub.SH eine Anschub­fi­nan­zie­rung für Open-Source-Pro­jek­te. Öffent­li­che Ein­rich­tun­gen kön­nen sich zusam­men mit Unter­neh­men auf die Umset­zung von Open-Source-Pro­jek­ten bewer­ben. Wenn die­se Pro­jek­te ver­spre­chen auch für ande­re Nut­zen­de inter­es­sant zu sein, gibt es in der Regel eine Finan­zie­rung. Das funk­tio­niert ziem­lich unkom­pli­ziert und wenn die Unter­neh­men es geschickt nut­zen, kön­nen sie sich ein ech­tes Geschäfts­mo­dell auf­bau­en. Das ist ein gutes Vor­bild. Schles­wig-Hol­stein baut sich gera­de eine ech­te Open-Source-Wirt­schaft auf, wäh­rend Bay­ern wei­ter­hin im gro­ßen Stil Geld in die USA über­wei­sen will. 

Infrastruktur: Offene Clouds und Rechenzentren

Die Idee von GAIA‑X ist gut: Kein zen­tra­ler Cloud-Anbie­ter, son­dern ein Öko­sys­tem, das auf gemein­sa­men Stan­dards und Regeln basiert. Es ermög­licht die Ver­net­zung von dezen­tra­len Daten­räu­men und Cloud-Diens­ten, sodass Daten sicher und regel­kon­form aus­ge­tauscht wer­den kön­nen. Lei­der scheint das Pro­jekt ins Sto­cken gekom­men zu sein – viel­leicht auch, nach­dem sich US-Big-Tech-Kon­zer­ne am Kon­sor­ti­um beteiligten.

Wir brau­chen eine föde­rier­te, inter­ope­ra­ble Cloud-Infra­struk­tur, basie­rend auf einem Stack mit ein­heit­li­chen Stan­dards. Die EU und ihre Mit­glieds­staa­ten muss sich über­le­gen, wie ein Sys­tem aus Rechen­zen­tren aus­se­hen könn­te, das gleich­zei­tig groß genug ist, um die Vor­tei­le von Cloud-Ansät­zen aus­zu­schöp­fen und gleich­zei­tig so dezen­tral, dass kein Anbie­ter den Markt dominiert.

Dienstleister: Viele Anbieter statt eines Monopols

Der Open-Source-Ansatz eröff­net die Mög­lich­keit, dass es vie­le Anbie­ter gibt, die sich auf eine bestimm­te Art Kun­den spe­zia­li­sie­ren. Sys­tem­häu­ser für das deut­sche Gesund­heits­sys­tem oder für den dänisch-spra­chi­gen Büroeinsatz. 

Statt für Abo- und Lizenz­ge­büh­ren zu kas­sie­ren, wür­den die Unter­neh­men über War­tungs- und Ent­wick­lungs­auf­trä­ge ihr Geld verdienen.

Ein Öko­sys­tem von IT-Dienst­leis­ter könn­ten die bestehen­den Lösun­gen für die jewei­li­ge Ziel­grup­pe anpas­sen und wei­ter­ent­wi­ckeln. Deren Kun­den bekä­men dadurch über­haupt die Chan­ce, wirk­lich pas­send kon­fi­gu­rier­te Soft­ware zu bekom­men, statt Lösun­gen von der Stan­ge neh­men zu müs­sen. Wie­der ande­re Unter­neh­men könn­ten Sicher­heit und Com­pli­ance prü­fen und zertifizieren.

Gro­ße Orga­ni­sa­tio­nen wie Unter­neh­men, Sozi­al­ver­bän­de oder Uni­ver­si­tä­ten, die ohne­hin viel IT-Dienst­leis­tun­gen nach­fra­gen könn­ten dar­in geför­dert wer­den, eige­ne IT-Häu­ser auf­zu­bau­en – und damit eige­ne Kom­pe­tenz in der digi­ta­len Welt. Auch das ist ein wich­ti­ger Fak­tor von Digi­ta­ler Sou­ve­rä­ni­tät.

Schutz vor Aufkauf und Governance

Ein wich­ti­ger Fak­tor aber wäre die demo­kra­ti­sche Gover­nan­ce – gro­ße Open-Source-Pro­jek­te müss­ten so ver­fasst sein, dass die Öffent­lich­keit einen Ein­fluss auf ihre Ent­wick­lung hat. Ob das Genos­sen­schaf­ten sind oder ob es eine neue Gesell­schafts­form dafür geben muss, weiß ich nicht. Aber ohne die­sen Ein­fluss besteht bei ihnen die Gefahr, dass das Eigen­in­ter­es­se zu domi­nant wird. Sie müss­ten sich zumin­dest recht­fer­ti­gen müssen.

Zusätz­lich soll­ten wich­ti­ge Pro­jek­te nicht ein­fach auf­zu­kau­fen sein. Der Mes­sen­ger Signal schützt sich vor Über­nah­men bei­spiels­wei­se dadurch, dass das Unter­neh­men einer Stif­tung gehört. 

Auch hier hilft der Open-Source-Ansatz: Wenn der Source-Code vor­liegt und unter frei­er Lizenz ver­öf­fent­licht wur­de, kann jemand ande­res im Not­fall den Code neh­men und selbst wei­ter­ent­wi­ckeln – so wie es bei­spiels­wei­se bei own­Cloud pas­siert ist. Die own­Cloud GmbH wur­de 2023 von einem US-Unter­neh­men über­nom­men. Dar­auf­hin hat die Hein­lein Grup­pe den Code geforkt und ent­wi­ckelt ihn unter dem Namen Open­Cloud weiter.

Regulierung sorgt für den Markt

Der Staat muss sich dar­um küm­mern, dass es einen funk­tio­nie­ren­den Markt gibt. Ohne ein waches Auge auf den Markt wer­den immer wie­der „natür­li­che“ Mono­po­le durch Netz­werk- und Ska­len­ef­fek­te ent­ste­hen. Zusätz­lich müs­sen klei­ne Anbie­ter gezielt immer wie­der geför­dert werden.

In die­sem Fall hemmt Regu­lie­rung nicht die Inno­va­ti­on. Sie ist die Grund­la­ge für einen Markt, in dem es über­haupt Inno­va­ti­on geben kann. Genau­so wie ein star­ker Daten­schutz Grund­la­ge für Inno­va­ti­on ist, wenn die Men­schen den Anbie­tern ihre Daten wirk­lich anver­trau­en kön­nen und sich ihnen nicht aus­ge­lie­fert fühlen.

Tei­le der Ent­wick­lung und der Infra­struk­tur müss­ten aber auch anders als über den Markt finan­ziert wer­den. Sei es direkt über Steu­er­geld, Öffent­lich-Recht­li­che Anstal­ten oder über Stiftungen.

All das ist ein ande­rer Blick auf das, was digi­tal mög­lich ist. Es ist nicht durch das bestimmt, was ent­fes­sel­te, glo­ba­le Kon­zer­ne mit unend­li­chen Res­sour­cen als Inno­va­ti­on ver­kau­fen wollen.

Internationale Perspektive

Fast alle Län­der der Welt sind abhän­gig von US-Diens­ten und chi­ne­si­scher Hard­ware. Sie haben alle die glei­chen Pro­ble­me wie wir – aber oft nicht die glei­chen Mög­lich­kei­ten, Lösun­gen anzu­ge­hen. Län­der in Afri­ka, Süd­ame­ri­ka oder Asi­en könn­ten Ver­bün­de­te für die EU wer­den. Die Wiki­me­dia Foun­da­ti­on macht vor, wie man ein glo­ba­les, offe­nes Pro­jekt mit Men­schen in aller Welt umset­zen kann. 

Bra­si­li­en hat sich schon mit den Trump-USA ange­legt und bekommt die glei­chen Dro­hun­gen wie die EU. Gleich­zei­tig setzt Bra­si­li­en in der öffent­li­chen Ver­wal­tung auf Linux & Co. Für vie­le Län­der ist Soft­ware ohne Abo- und Lizenz­ge­büh­ren inter­es­sant, weil sie dadurch die Kos­ten selbst steu­ern können. 

Euro­pa könn­te hier eine Vor­rei­ter­rol­le ein­neh­men und sich gleich­zei­tig eine neue Basis der Zusam­men­ar­beit mit Län­dern des glo­ba­len Südens erar­bei­ten – eine Zusam­men­ar­beit auf Augen­hö­he mit gemein­sa­men Inter­es­sen. Star­ke Bünd­nis­se in der Welt brau­chen wir heu­te drin­gen­der denn je. Wenn wir zwi­schen Russ­land, Chi­na und den USA bestehen wol­len, müs­sen wir neu auf die Welt schauen.

Der Big-Market als europäischer WegKri­te­ri­umUSA (Mono­pol­ka­pi­ta­lis­mus)Chi­na (Staats­ka­pi­ta­lis­mus)Euro­pa (Big-Mar­ket)Markt­struk­turMono­po­le (Goog­le, Ama­zon, Meta)Staats­kon­zer­ne (Hua­wei, Alibaba)Vie­le KMU, Genos­sen­schaf­ten, Öffent­lich-Recht­li­che InfrastrukturInno­va­ti­onDurch Auf­kauf von Start­ups ersticktStaat­lich gelenkt, wenig Bottom-upOffe­ne Stan­dards, WettbewerbDaten­kon­trol­lePri­va­ti­siert, ÜberwachungskapitalismusStaat­li­che ÜberwachungBür­ger-Sou­ve­rä­ni­tätFinan­zie­rungVen­ture Capi­tal, BörseStaats­gel­der, SubventionenMarkt, Öffent­li­che För­de­rung + StiftungenGover­nan­ceShare­hol­der-ValuePar­tei­kon­trol­leDemo­kra­tisch, partizipativ

US-Mono­po­le und chi­ne­si­sche Staats­wirt­schaft sind kei­ne Vor­bil­der für Euro­pa. Ein Big-Mar­ket basie­rend auf Open Source, Viel­falt und Regu­lie­rung ist der drit­te Weg. Euro­pa kann zei­gen, dass digi­ta­le Sou­ve­rä­ni­tät nicht Mono­po­le oder Staats­kon­trol­le braucht – son­dern einen gut regu­lier­ten, offe­nen Markt. Poli­tik, Unter­neh­men und Zivil­ge­sell­schaft müs­sen den Big-Mar­ket jetzt aktiv gestalten.

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kaffeeringe.de @blog@kaffeeringe.de · Oct 22, 2025
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Meine Name ist Steffen Voß. Ich lebe in Kiel. In diesem Blog versammel ich Ideen und Gedanken zu Technologie und Gesellschaft.

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Erste Schritte auf Mastodon

Wenn Du einen guten Ein­stieg bei Mast­o­don & Co haben willst, soll­test Du Dei­nen Start ordent­lich pla­nen – hier gibt es kei­nen Algo­rith­mus, der Dir schnel­le ers­te Erfol­ge ver­schafft, um Dich dann hän­gen zu las­sen. Du hast es kom­plett selbst in der Hand – im Guten, wie im Schlech­ten. Will­kom­men in der Freiheit!

Fülle Dein Profil vollständig aus

Ich gehe davon aus, dass Du Dir einen Ser­ver aus­ge­sucht und einen Account ange­legt hast. Wenn Du jetzt nicht ein­fach nur pas­siv mit­le­sen willst, soll­test Du den ande­ren Men­schen ein paar Anhalts­punk­te geben, was Sie bei Dir erwar­ten kön­nen. Dazu soll­test Du Dein Pro­fil voll­stän­dig ausfüllen:

  1. Dein Real­na­me kann hel­fen, ver­trau­ens­wür­di­ger zu wir­ken. Vie­le Men­schen auf Mast­o­don haben kei­ne Lust, mit ihrem rich­ti­gen Namen auf­zu­tre­ten. Wenn Du damit kein Pro­blem hast, hilft das ver­mut­lich, dass Leu­te Dir folgen. 
  2. Dei­ne Bio­gra­fie musst Du nicht unbe­dingt schrei­ben. Kei­ne Ahnung, war­um sich die­ser Begriff für das Beschrei­bungs­feld in Social-Media-Pro­fi­len eta­bliert hat. Aber Du kannst dort ein paar Din­ge auf­schrei­ben, damit man Dich ein wenig ein­sor­tie­ren kann. Bist Du für etwas bekannt? Was sind Dei­ne The­men? Was ist Dir wich­tig im Umgang auf Mastodon?
  3. In den Zusatz­fel­dern kannst Du bei­spiels­wei­se Links zu Dei­ner Web­site pos­ten – dar­über kannst Du Dei­nen Account dann auch veri­fi­zie­ren. Dazu gleich mehr. Du kannst da aber auch Dein Lieb­lings­es­sen, Dei­ne Lieb­lings­band und Dei­nen Lieb­lings-Beat­le auf­füh­ren – Oder Dei­ne Pro­no­men, Dein Alter usw.
  4. Ein Pro­fil­bild, auf dem man Dich erken­nen kann, hilft, wenn Dir Anony­mi­tät nicht wich­tig ist. Wenn Du es sel­ten änderst, erken­nen die ande­ren Men­schen Dei­ne Posts oft schnel­ler an Dei­nem Pro­fil­bild als an Dei­nem Namen.
  5. Ein Titel­bild run­det das voll­stän­di­ge Pro­fil ab.
Verifizierung

Gera­de, wenn Du eine bekann­te Per­son bist oder einen Account für eine Orga­ni­sa­ti­on betreibst, ist es gut, wenn Du Dei­nen Account veri­fi­zierst. Anders als bei den kom­mer­zi­el­len Social-Media-Platt­for­men, kannst Du das selbst machen. Dazu musst Du ein klei­nes Stück Code in Dei­ne Web­site ein­fü­gen. Die­sen Pro­zess habe ich hier schon ein­mal genau­er beschrie­ben. Wenn Du kei­ne Ahnung hast, wie das gehen soll, schick den Link ein­fach Dei­nem Webmaster…

Stelle Dich dem Fediverse vor

Dein Pro­fil ist jetzt vor­be­rei­tet: Es sieht gut aus und die Leu­te kön­nen sehen, wer Du bist. Even­tu­ell hast Du sogar Dei­nen Account veri­fi­ziert, so dass die Leu­te sicher wis­sen, dass Du kei­nen Fake-Account betreibst.

Jetzt kannst Du Dei­nen ers­ten Bei­trag schrei­ben. Ver­wen­de dabei das Hash­tag #neu­hier, damit die Leu­te wis­sen, dass das Dei­ne Vor­stel­lung ist. Schrei­be ein wenig über Dich und über wel­che The­men Du Dich ger­ne aus­tau­schen möch­test. Ver­wen­de auch dafür Hash­tags. So kön­nen die ande­ren Men­schen Dich finden.

Zumin­dest in der Anfangs­zeit ist es sinn­voll, die­sen Post an Dein Pro­fil anzu­hef­ten. Er wird dann immer als ers­ter Post in Dei­ner Time­line ange­zeigt, wenn jemand Dein Pro­fil auf­ruft. Um das zu errei­chen, klickst Du unter Dei­nem Post auf die drei Punk­te und wählst aus dem Menü „Im Pro­fil anhef­ten“ aus.

Wenn Du den Bei­trag dann irgend­wann mal wie­der vom Pro­fil lösen willst, klickst Du wie­der auf die drei Punk­te und wählst „Vom Pro­fil lösen“.

[Update, 19.4.2026] Che­cke jetzt ein­mal mit die­sem Tool, ob alles rich­tig ein­ge­stellt ist. 

Folge Accounts – misch Dich ein

Da es kei­nen so star­ken Algo­rith­mus auf Mast­o­don gibt, musst Du Dich selbst um inter­es­san­te Kon­tak­te küm­mern. Über die „Angesagt“-Funktion kannst Du Pro­fi­le fin­den. Es gibt als exter­nen Dienst zwar Star­ter­packs mit the­ma­tisch zusam­men­ge­stell­ten Accounts (bspw. Uni­ver­si­tä­ten, Bun­des­in­sti­tu­tio­nen oder Comics) aber auch die muss man natür­lich erst ein­mal suchen und finden.

Am bes­ten ist es viel­leicht zu Anfang nicht zu viel zu erwar­ten und ein­fach groß­zü­gig Accounts zu fol­gen. Du kannst sie lie­ber irgend­wann mal wie­der ent­fol­gen, wenn Du merkst, dass sie zu vie­le Din­ge pos­ten, die Dich nicht interessieren.

Du kannst nicht nur Accounts fol­gen, son­dern auch Hash­tags. Wie das geht, erklä­re ich hier. Dann lan­den alle Posts mit die­sem Hash­tag in Dei­ner Time­line. Das soll­test Du nicht über­trei­ben und nur weni­gen Hash­tags fol­gen – sonst wird die Time­line schnell sehr wirr. Es ergibt aber bspw. Sinn, dem Hash­tag Dei­ner Stadt zu fol­gen. Dann bekommst Du mit, was bei Dir in der Umge­bung los ist – und ent­deckst dar­über Accounts aus Dei­ner Stadt. 

Lang­sam füllt sich dann Dei­ne Time­line. Expe­ri­men­tie­re damit, Accounts und Hash­tags zu fol­gen und zu ent­fol­gen, Hash­tags stumm­zu­schal­ten, The­men und Stich­wor­te zu fil­tern. So kannst Du Dir nach und nach Dei­nen eige­ne Algo­rith­mus zusammenbauen.

[Update, 19.4.2026] Es mag sein, dass Mast­o­don eine eher tech­nisch inter­es­sier­te Crowd anzieht und Leu­te, die sozi­al enga­giert sind und sich für Kli­ma­schutz ein­set­zen. Für Orga­ni­sa­tio­nen kann das eine Her­aus­for­de­rung sein. Auf ande­ren Platt­for­men mag es ein brei­te­res Publi­kum geben und der Algo­rith­mus sorgt dafür, dass die Inhal­te zu den Leu­ten fin­den. Aber es gibt etwas Bes­se­res: eine Com­mu­ni­ty, die aktiv sucht, was sie inter­es­siert – und die, wenn sie euch fin­det, oft viel enga­gier­ter ist als die zufäl­li­gen Klicker:innen auf ande­ren Platt­for­men. Des­we­gen soll­test Du Dir über­le­gen, was die­se Leu­te von dem inter­es­siert, was es über Dei­ne Orga­ni­sa­ti­on zu sagen gibt. Denk mehr von der Ziel­grup­pe her und weni­ger von Dir als Sender. 

Wich­tig fin­de ich, dass ich etwas ins Netz­werk gebe – wenn das alle machen, bekommt man viel mehr zurück. Ich kann mich selbst dar­um küm­mern, die Inhal­te zu tei­len, von denen ich ger­ne mehr sehen will. Mast­o­don ist noch ein ech­tes Sozia­les Netz­werk, wo die kom­mer­zi­el­len Platt­for­men eher Enter­tain­ment-Apps gewor­den sind. Bring Dich ein!

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