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Letters from a comrade in Iran
Dear
Things have been truly tragic lately. So many things have happened—too many to count. I’ve lost some friends, and some were even attacked right in the middle of the street. It’s only by sheer luck that I’m still here, able to write to you now. There were moments when I could easily have been among those we’ve lost.
Getting online has become almost impossible—it feels like a distant dream. But somehow, with a lot of effort and some apps, I’ve managed to get intermittent access. Some hours ago, I began experiencing only brief windows of connectivity—the connection is never stable and usually lasts about half an hour before cutting out again.
The situation varies from city to city but everywhere is struggling in its own way.
Thank you so much for your message, it really means a lot to me!
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Thank you for your solidarity.
The situation here is a mixture of hope and tears, hatred and anger. So many lives have been lost, touching every generation.
Our biggest challenge right now is the internet. We see how hard you're working to help us get access, and we are grateful. When the connection is gone, we are completely cut off—we can't know what's happening here or anywhere else.
With the threat of a wider conflict feeling closer every day, we know that an internet shutdown is often the first thing to happen. Even now, it comes and goes in minutes or hours.
All the best,
Auf die hier gestellte Frage, warum die Leute weniger auf linke Demos gehen, vielleicht insgesamt weniger politisch aktiv sind, habe ich etwa 150 direkte Antworten bekommen. Ich weiß nicht, ob ich euch allen antworten konnte, teilweise sind lange Gespräche entstanden.
Es gibt unterschiedliche Gründe, von denen viele immer wieder genannt wurden.
Für mich stellt sich die Situation nun ungefähr so dar: Die kontinuierlich in der Tiefe arbeitende Vereinzelungsmaschine Kapitalismus und ihr Beschleunigungs-Mod. Neoliberalismus mal außen vor gelassen, ist das einschneidende historische Ereignis der letzten Zeit die Pandemie. Zum einen, weil sie schon Spaltungen auch innerhalb der Linken erzeugt hat, zum anderen und noch viel relevanter, weil sie Öffentlichkeit zerstört und zu Privatisierungen geführt hat, die bis heute nicht wieder ganz geheilt sind. Die Menschen gehen nicht nur weniger auf Demos, sondern auch weniger auf Parties. Zusätzlich sind viele Linke Orte - vom sozialen Zentrum bis zur linken Kneipe -, wo Flyer ausgelegt werden und Demos nach besprochen werden können, verdrängt worden. Dadurch und durch die Pandemie wurde auch die Weitergabe von Wissen an jüngere Leute, das Einbinden in Strukturen unterbrochen, weswegen es hier eine Art Riss gibt. In diese Lücke konnten die autoritären ML-Gruppen stoßen. Vor allem war die Pandemie eine unvorhergesehene und lang anhaltende Erfahrung von Ohnmacht. Doch als die Pandemie auslief, wurde das Leben nicht besser noch kehrte die Welt in den vorherigen Normalzustand zurück. Stattdessen Krieg, Inflation, wieder Krieg und ein erdrückender, internationaler Faschisierungsruck. Viele berichten von einem Gefühl der tiefen Überforderung, weil es an zu vielen Enden brennt – wo anfangen, wo mit machen, was fortsetzen? Sind die linken Kämpfe nicht viel zu zerstückelt?
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Als ich vor einigen Jahren anfing, mich mit extremen Reichtum zu beschäftigen und mich darum bemühte, ihn begreiflich und vor allem vorstellbar zu machen, empfand ich das Thema auch als Kuriosität und die Beschäftigung damit zugleich als eine Korrektur gegenüber dem wertkritischen Marxismus, der fundamentale Beziehungsweisen des Kapitalismus ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt hatte - Monadisierung, Konkurrenz, Wachstumszwang -, aber, geboren aus den sozialen Verhältnissen der 1970er Jahre BRD, die Klassenverhältnisse und die Aggression des 'von oben' geführten Kampfes vernachlässigt hatte. Jetzt aber, seit Trumps Wiederkehr, erscheint jede Nachricht über den erneuten Zuwachs der größten Kapitalvermögen nicht mehr in erster Linie als bebilderbarer und politisierbarer Skandal der undemokratischen Ungleichheit, nicht als Anwachsen der ökonomischen, sozialen und politischen Macht einer winzigen Gruppe der globalen Menschheit, sondern als stumpfe Terrorbotschaft, als Zeichen eines apokalyptischen Wahnsinns, kurz als brutale Konzentration von Zerstörungsmacht.