Post #1930877
2026-04-09 07:42 UTC
Replies (2)
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@dboehmer@ieji.de 2026-04-09 08:03
@KuMiKoe Die „Wende“ ist ca. 36 Jahre her. Da war sehr viel Hoffnung (teils auch unrealistische). Die schwierigen Umbrüche waren Mitte der 1990er und danach, setzen sich in Teilen bis heute fort. Ich bin 1989 geboren – habe es nicht miterlebt – und puzzle mir bis heute ein Bild davon, wie einschneidend diese Veränderungen waren. Es ist schwer in wenigen Sätzen zu beschreiben, wie existenziell diese Umwälzungen das ganze Leben umgekrempelt haben. „Der Staat tut nichts“ ist einerseits Quatsch und andererseits total wahr, wenn man es mit der DDR vergleicht: Sehr viel war geregelt, vieles auch zum guten. Der Häuserbestand verfiel zwar unmerklich langsam, aber es gab keine Graffiti und niemand hat achtlos Müll auf die Straße geworfen. Es herrschte Ordnung. Der Staat organisierte flächendeckend das gesellschaftliche Leben von Arbeit über Sport bis zur Nachbarschaft. Das mag dystopisch klingen, aber tatsächlich war überall ein enges Netz von persönlicher Gemeinschaft, das für viele nach der „Wende“ weggebrochen ist.
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@BeeDoubleYou@norden.social 2026-04-09 08:14
@KuMiKoe @dboehmer Ich bin auch in #Ostdeutschland aufgewachsen. Die Erfahrungen nach der Wende überspannen ja Generationen - da wurden Traumata an die Kinder und Enkel weitergegeben. Und: Die rechten Jugendlichen von damals (Stichwort: "Baseballschlägerjahre") sind die Eltern von heute. Viele Ostdeutsche sind "rüberjemacht" und haben sich weiterentwickelt. Aber wer dort geblieben ist, schmort seit Jahrzehnten im eigenen Saft. Es gibt auch eine Kluft zwischen "Exil-Ossis" und "Dagebliebenen".