Elektrine lite

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@ada@catcatnya.com

Post #1768543

2026-04-29 07:27 UTC

Mich stört der Spruch "Kein Backup kein Mitleid" der im Chaos kursiert immer wieder und irgendwie möchte ich mal ein paar Gedanken dazu los werden wieso ich den Scheiße finde. Aber kurz finde ich den aus einer materialistischen, ableistischen Perspektive Scheiße und elitär find ich den auch noch. Viele Leute haben nicht unbedingt das Geld um sich mit Backups zu befassen und würden wenn das Geld da ist es lieber auf etwas werfen woran sie spaß haben. Selber habe ich lange, grade als Studi, nicht das Geld gehabt mich um Backups zu kümmern. Es gab Monate wo ich am Ende des Monats nur noch mich aus dem was in meinem Kühlschrank oder meiner Mensakarte war ernähren konnte, da ist Geld auf Backups werfen jetzt auch wirklich nicht die Priorität. Und selbst als Geld da war, hatte ich es lieber auf andere Quality-Of-Life Verbesserungen geworfen. Ein Backup fühlt sich an der Stelle in etwa wie eine Hausratsversicherung an und der Spruch "Keine Hausratsversicherung kein Mitleid" klingt nun mal wirklich scheiße. Aber dank der finanziellen Privilegien die viele Leute im Chaos haben, wird die materialistische Perspektive im Chaos sowieso gerne vergessen. Mein Vergleich mit der Hausratsversicherung hinkt etwas, denn eine Hausratsversicherung ist deutlich weniger Aufwand als ein Backup. Bei einem Backup muss ich mich schnell mit komplexer Software auseinandersetzen, regelmäßig mich damit befassen (läuft es noch? Muss ich Festplatten rotieren?) und das ist bei einer Hausratsversicherung meistens nicht so. Und die Software-Lösungen brauchen wirklich schnell viel technisches Know-How, grade auf Linux. Mich, als technik-affine Person, hatte dass auch sehr lange davon abgehalten Backups zu machen dass ich mich einfach mit komplexer Software befassen muss, und dass nach einem langem Arbeitstag wenn ich eigentlich doch lieber anderen Sachen nachgehen möchte. Bei der aktuellen Software-Landschaft zu erwarten dass sich Casual Computer Nutzer Backups machen finde ich schon etwas viel verlangt. Also warum müssen wir Leuten die grade potentiell ihre sehr wichtigen Daten verloren haben mit einem Spruch begegnen der Ihnen suggeriert dass sie selber daran Schuld sind, wenn sie vielleicht nicht die finanziellen Resourcen oder einfach nicht die Kappas hatten? Warum könnten wir dabei nicht ein bisschen mehr Empathie normalisieren? Und selbst wenn jetzt der konkreten Datenverlust-Situation mit mehr Empathie begegnet wird, warum müssen wir die Abwesenheit von Empathie in so einem Spruch stecken und Leuten in den Kopf setzen? Das gibt schon einen eher elitäres Bild von sich.

Replies (20)

  • @Saorsa@neondystopia.world 2026-04-29 14:00

    BTRFS and file-system compression has been an absolute boon as a penniless student with finite space on their 512 GB SSD. Even a backup snapshot scheme of five system changes, four daily, three hourly, one weekly and one monthly with spares saved to one other location should do the trick. As BTRFS is a copy-on-write, failing catastrophic corruption which is occasionally known the happen with the filesystem. You should still be able to keep a backup of the previous states of your system and the files on them for a reasonable length of time. I used to do the very same on Arch Linux before eventually moving to NixOS. @ada@catcatnya.com

    Open ##1774628

  • @navi@catcatnya.com 2026-04-29 07:32

    @ada yeag. ich habe diesen satz auch durchaus gern mal verwendet und stehe mittlerweile 0 dahinter

    Open ##1774973

  • @ada Der Spruch kann weg. Er ist empathielos, hilft den Menschen nicht, weil das Unglück schon passiert ist, holt sie nicht da ab, wo sie sind. Es ist reine Schadenfreude und die Person, die ihn verwendet fühlt sich besser und überlegen. Das Gegenteil von 'be excellent to each other'.

    Open ##1774977

  • @GreenSkyOverMe@ohai.social 2026-04-29 08:02

    @ada Ich hab mal vor langer Zeit (20 Jahren?) einen Artikel gelesen über eine Hotline, die u.A. Leute bei Datenverlust getröstet hat, die haben gesagt, so ein Datenverlust erzeugt erstmal ähnliche Gefühle wie ein Todesfall (aber nicht so lang). Und jemandem, dem es so schlecht geht, muss man noch eine reinwürgen?

    Open ##1774978

  • @0@corteximplant.com 2026-04-29 08:14

    @ada this! als studentin hatte diese maus mal für eine weile eine alte externe platte als backup-platte und auf die ist dann irgendwann mal im laufenden betrieb was gefallen, was sie gecrasht hat. für den rest des studiums konnte sich maus keine neue backupplatte leisten und hat dann gegen ende auch mal ordentlich daten verloren, die richtig weh getan haben. in der situation hätte maus den spruch zum anlass genommen, irgend was nach der person zu werfen.

    Open ##1774989

  • @spacekatia@girlcock.club 2026-04-29 08:15

    @ada we have a backup we even tested restoring the backup after a simulated data loss (we shut down our nas) it has recently slowed down to 3Mb/s and has not finished a full backup since we now have to do extra work figuring out why our backups are broken and possibly spend extra money fixing them

    Open ##1774990

  • @pseyfert@chaos.social 2026-04-29 08:28

    @ada this! ich habe den eindruck dass der spruch ein firmenumfeld unterstellt. as in: management hat entschieden das geld für backup zu sparen und statt dessen als dividende auszuzahlen. und das sollte nicht auf privatpersonen übertragen werden. aber auch bei firmen finde ich: wenn die firma jetzt mangels backup finanziellen schaden hat, und das personal arbeitslos wird, wegen mismanagement, dann verdient das personal ja auch mitleid.

    Open ##1774991

  • @mira@social.purrple.place 2026-04-29 09:13

    @ada Hab leider auch mal zu denen gehört die diesen Spruch verwendet haben, mittlerweile versuche ich dann lieber zu retten was zu retten ist und versuche der Person Optionen für Backups zu zeigen, wenn gewollt und ggf. sogar welche einzurichten.

    Open ##1774993

  • @Numerfolt@kirche.social 2026-04-29 10:05

    @ada 💯 So was ähnliches hatte ich auch schon länger im Kopf und dein Tröt spricht mir aus der Seele!

    Open ##1774994

  • @PersonM@dresden.network 2026-04-29 10:27

    @ada wenn es einem lebewesen schlecht geht, empfinde ich. das ist etwas echtes. kein dogma, kein slogan, kein ego.

    Open ##1774995

  • @kate@mk.absturztau.be 2026-04-29 10:27

    @ada@catcatnya.com Alles richtig. Alternativ zu den ganzen beschriebenen Hindernissen kann man aber auch seine wichtigsten Sachen (Daten) auf Werbe - USB Sticks (Nulltarif) oder USB Billigsticks (unter 5 €) sichern. Und dafür kann man Freeware Software nehmen. Die gibt es für Linux sogar mit GUI und einer Anleitung zum Lernen. Zum Beispiel hier - apps.gnome.org/de/DejaDup/ So eine Minimallösung hat den Vorteil, dass die Lernkurve flach und kurz ist, dass die Kosten insgesamt unter 5 € liegen können und die Hausarbeit, Studienarbeit, persönliche Daten, Texte und sogar Fotos und Zeichnungen, Skizzen usw. als Backup da sind. Wenn du keinen USB Stick zum Nulltarif findest, dann schreibe mir deine Adresse und ich schicke dir einen umsonst zu.

    Open ##1775001

  • @Rackuur@mastodon.art 2026-04-29 10:31

    @ada Protondrive 2 gb for free, freefilesync = Kostenlose software..Mit Skript aufwand auch automatisch verschlüsselt und gepackt= 7zip.. Kosten: Lebenszeit

    Open ##1775002

  • @992jo@chaos.social 2026-04-29 11:17

    @ada Du hast da ein paar sehr gute Punkte gefunden, die mir auch schon hin und wieder aufgefallen sind. Ich bin da gerade dabei denk Backup-Storage-Teil etwas zu erleichtern, indem ich das kostenlos zur Verfügung stellen will. Das befindet sich gerade in einer Test-Phase und wird dann auf der #FSCK "öffentlich". Da werde ich auch einen Vortrag halten um das vorzustellen.

    Open ##1775012

  • @kasiandra@chaos.social 2026-04-29 11:19

    @ada Danke für deine Worte. ♥️ Auch uch mag diesen Satz nicht aus den Gründen welch du genannt hast. Aber auch weil Zeit als Kapital ein Faktor ist, genau wie das Wissens Kapital. Ja es gibt das stumpfe kopieren von Daten, beinhaltet dann auch das korrupte Daten bestehende funktionierende Daten überschreiben könnten. Sowie das bedenken anderer Faktoren. Zeit, Wissen, Ressourcen und Geld hat nicht jede*r und dan wen noch zu verhöhnen ist unterste Schublade.

    Open ##1775013

  • @Saorsa@neondystopia.world 2026-04-29 14:01

    BTRFS and file-system compression has been an absolute boon as a penniless student with finite space on their 512 GB SSD. Even a backup snapshot scheme of five system changes, four daily, three hourly, one weekly and one monthly with spares saved to other location should do the trick. As BTRFS is a copy-on-write, failing catastrophic corruption which is occasionally known the happen with the filesystem. You should still be able to keep a backup of the previous states of your system and the files on them for a reasonable length of time. I used to do the very same on Arch Linux before eventually moving to NixOS. @ada@catcatnya.com

    Open ##1775014

  • @WooShell@chaosfurs.social 2026-04-30 08:11

    @ada Du hast IMHO schon die völlig falhsce Vorstellung, was "Backup" im Sinne dieses Spruches sein muss. "Backup" bedeutet nicht zwingend einen Bandroboter im Keller, "Backup" kann auch der 5 Euro USB-Stick vom Aldi sein, auf den ich einmal im Monat von Hand meinen /Documents Ordner draufkopiere oder ein zweites Mal auf Save As.. bei meiner Diplomarbeit klicke. Heck, sogar ein WIP Ausdruck von so ner Arbeit kann ein valides "Backup" darstellen.

    Open ##1867558

  • @charlotte@akko.chir.rs 2026-05-01 08:23

    @ada das letzte mal mal als ich den spruch gehört hatte die partei, die die daten verloren hat, sogar backups das backupsystem das ihnen bereitgestellt wurde war aber so scheiße, dass die versehentliche datenlöschung einfach die backups mitgelöscht hat

    Open ##1867559

  • @evanesca@literatur.social 2026-05-01 10:44

    @ada meinen ersten schmerzhaften Datenverlust hatte ich 2001. Jahrgang 90. (Und ich hatte sogar meiner Meinung nach ein Backup, obwohl ich das Wort noch nicht mal kannte. Eine Software, die mich CDs so benutzen ließ wie USB-Sticks. Das hielt nur einer Neuinstallation von Windows ME nicht stand 🥲.) Sind es wichtige Daten gewesen? Global betrachtet nicht. Erster Romanversuch eines Kindes. Den nächsten machte ich aber erst Jahre später. Spruch kann weg.

    Open ##1867560

  • @fabos@der.cyberterror.ist 2026-05-01 10:54

    @ada@catcatnya.com der Spruch hat durchaus was von "von oben herab". Aber auch nicht nur. Es kommt einfach auf den Zusammenhang drauf an. Ich sage das zu Menschen, die ich vorher schon oft drauf hingewiesen habe und die es dann immer ignoriert haben Backups zu machen. Auch zu denen, die immer kommen und sagen, dass sie "keine Ahnung von IT" haben, dann aber ignorieren, wenn man sagt sie sollten Backups machen, weil "die Systeme sind sehr sicher". Backups müssen auch nicht viel Geld kosten. Es reicht die wichtigsten Dinge zu sichern. Ein volles Diskimage wär sicher geil, aber wenn ich eine Dissertation, Verträge oder anderes habe, reicht auch mal ein USB Stick aus. Ich sage das auch denen, die nicht wissen wie es geht, denen ich aber gerne Hilfe anbiete, die dann aber ausgeschlagen wird. Wenn es dann ein Verlust geschieht, wie rx erwartet, dass ich alles stehen und liegen lasse. Auch diesen Menschen sage ich den Spruch dann gerne mal. Das kommt dann aus Frust und Ärger darüber, immer ignoriert und kleingeredet worden zu sein. Ich selbst habe mal mein ganzes Homedir verloren und musste mir den Spruch anhören. Photorec hat leider nur das wiedergebracht, was ich nicht wiederhaben wollte. Ich hab mich nicht beleidigt gefühlt, allerdings habe ich Konsequenzen gezogen. "Kein Backup, kein Mitleid!" zu jemandem zu sagen, ohne die Vorgeschichte zu kennen ist allerdings arrogant. Der Spruch alleine ist aber nicht das Problem. IMHO

    Open ##1867561

  • @sborg@nerdculture.de 2026-05-02 09:18

    @ada Danke für deinen Toot. Er erinnert mich daran, meine Backup-Strategie mal ausführlichst zu dokumentieren, damit andere Personen es nachvollziehen, nachmachen oder adaptieren können. Ganz trivial ist es nicht und bedarf wie so oft ein paar Vorarbeiten. Wenn es einmal aufgesetzt ist, sind Datensicherungen sehr einfach zu benutzen. Ich denke, ich werde zusätzlich ein paar Skripte erstellen, damit andere Personen es möglichst einfach einrichten können bzw. ich dies für andere Personen schnell und unkompliziert durchführen kann. Die Einstiegsschwelle für Datensicherungen sollte ohne großen Aufwand und kostengünstig möglich sein. Nach oben sind wie so oft keine Grenzen gesetzt. Im besten Fall hat mensch eine skalierbare Strategie mit kostenlose Software. Anstatt Personen ohne Datensicherung zu verurteilen, sollte mensch ihnen lieber helfen eine Lösung zu finden.

    Open ##1934326