Wenn der Deutschland-Stack neu entwickelt wird, auf was stackt er dann drauf? 🗼

Anlässlich eines Impulspapiers aus SH (Schleswig-Holstein. Der echte Norden.) unter Federführung von Dirk Schrödter meine ersten Gedanken zum D-Stack.

Im Zuge der Umsetzung vieler Prozessautomationsprojekte (heute dann die KI-Projekte ..) hat sich herauskristallisiert, dass für eine erfolgreiche Umsetzung in der Regel immer die selben Dinge fehlen:

1️⃣ Die zahlreichen datenhaltenden Systeme sind unübersichtlich und nicht orchestriert. Die Daten sind in diesen Systemen gefangen. Die einzige Schnittstelle sitzt vor dem Bildschirm.

2️⃣ Die Arbeitsschritte in den Systemen sind einzig darauf ausgelegt, durch manuelle Interaktion mit der Benutzeroberfläche erledigt zu werden. Das höchste der Gefühle ist daher RPA.

3️⃣ Die Datenbankstrukturen sind vom Hersteller erdacht und proprietär aufgebaut. Wenn die Struktur bekannt und ansprechbar ist, dann existieren oft nur dysfunktionale Standards, z.B. im Kontext eAkte, die nicht bundesweit funktional sind.

4️⃣ Da in der Regel schon 1 - 3 Showstopper darstellen, scheitert Automation spätestens daran, dass bei einem Zugriff außerhalb der Benutzeroberfläche keine technischen Rechte- und Rollenkonzepte existieren.

💡 Was bedeutet das?

▶️ Ich finde es gut und richtig, einen Deutschland-Stack zu bauen, insb. entlang der Linien des Papiers aus SH, die z.B. die Nutzung von openCode verlangen.

▶️ Ich frage mich aber, auf was der Deutschland-Stack stacken (aufsetzen) wird. Ich bin bislang selten auf Probleme gestoßen, etwas Neues gut zu entwickeln. Die Probleme fangen dann an, wenn wir mit dem Neuen (wie fast immer) an die Bestandsyssteme wollen, um dort Daten abzurufen oder automatisiert Prozessschritte durchzuführen.

▶️ Um erfolgreich zu sein, muss der Deutschland-Stack zwingend an Bestandssysteme herankommen. Um Daten abzurufen und Arbeitsschritte auszuführen, also Daten zu verändern. Ansonsten müsste er Fachverfahren und eAkte ersetzen, was mWn nicht geplant ist, mindestens aber ewig dauern würde.

💡 Was wäre zu tun?

▶️ Es müssen schnell verbindliche Standards für alle neu auszuschreibenden Fachsysteme und eAkte-Systeme verabschiedet werden, die rechte- und rollenbasiert Datenzugriff erlauben. Am besten Ausschreibungsmuster.

▶️ Zudem müssen Dienste umgesetzt werden, die es erlauben, manuelle Arbeitsschritte auch als automatisierte Aktion auszuführen.

▶️ Daten- und Anwendungsschicht müssen stärker separiert werden. Das sammeln von Daten aus unterschiedlichen Legacy-Systemen ist langsam und nicht performant. Aus der Einführung der eAkte wissen wir: Es kommt bei kleinteiligen Prozesschritten sprichwörtlich auf Sekunden an.

▶️ Die vorgenannten Voraussetzungen werden indes oft nur zaghaft angegangen, werden sie doch von den Platzhirschen als Konkurrenz und damit Gefahr für die ertragreichen Systeme verstanden.

Es hat nie an neuen Ideen, Beschlüssen und Buzzwords gefehlt. Was aber ist mit dem Fundament? 🤔

SH-Paper:

https://www.egovernment.de/deutschland-stack-schleswig-holstein-legt-impulspapier-vor-a-c0dd28cbc12086a305f57a354a19cf5d/