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@Newstrujew@autistics.life

Post #674209

2026-03-16 15:11 UTC

Die Linke in Niedersachsen hat also (unter entscheidender Mitwirkung von im Fediverse sehr aktiven Personen) einen "antizionistischen" Beschluss gefasst. Und weil man ja nicht den Eindruck erwecken möchte, dass "Antizionismus" lediglich ein Platzhalter für Antisemitismus ist, hat man gleich die Klarstellung nachgeschoben, dass man lediglich real existierende Ausprägungen des Zionismus meine. Im Wortlaut also: "Die Linke Niedersachsen lehnt den heute real existierenden Zionismus ab." Wer im Beschluss (https://www.die-linke-oldenburg.de/fileadmin/user_upload/A01_geaendert.pdf) schaut, findet allerdings keine Erklärung, welcher real existierende Zionismus das sein soll. Wikipedia hat eine gute Definition für Zionismus: "Der Zionismus ist sowohl eine Nationalbewegung als auch eine ethnonationalistische Ideologie, welche die Errichtung eines jüdischen Nationalstaats in Palästina anstrebte und diesen nach der Gründung des Staates Israel 1948 bewahren und verteidigen will." Also, die Errichtung eines jüdischen Nationalstaates ist Vergangenheit, die kann nicht mehr gemeint sein. Bleibt dann also die Bewahrung und Verteidigung. Das ist das, was ich als "heute real existierenden Zionismus" kenne. Und deswegen spricht dieser Beschluss auch in dieser "entschärften" Fassung Israel das Existenzrecht ab. Ich glaube durchaus, dass viele, die für diesen Beschluss gestimmt haben, das nicht so meinen. Sie haben schlicht keine Ahnung davon, was Zionismus ist, weswegen er sich sehr schön als Projektion für alle möglichen Feindbilder missbrauchen lässt. Rassismus an israelischen Grenzübergängen? Zionismus! Israel führt Krieg in Gaza? Zionismus! Gewalttätige Siedler im Westjordanland? Zionismus! Immerhin lassen sich letztere womöglich tatsächlich von zionistischer Ideologie leiten, wobei ich eher auf plumpen Nationalismus und teilweise religiösen Fanatismus tippe. Aber diese Tendenz, Israel und Zionismus zu verteufeln, hat in linken Kreisen eine lange Tradition (https://fathomjournal.org/soviet-anti-zionism-and-contemporary-left-antisemitism/). Wisst ihr, wo man noch Feindbilder auf einen Begriff projiziert, von dem man nichts weiß? Beim Judentum. Es gibt sogar Studien, die zeigen, dass Antisemitismus sehr gut ohne Juden gedeiht. Man kann viel einfacher alle möglichen Vorurteile auf Juden projizieren, wenn man nie welche getroffen hat. Dafür, dass Antizionismus nicht bloß verkappter Antisemitismus sein soll, sind die Parallelen dann doch erstaunlich deutlich.

Replies (4)

  • @Newstrujew@autistics.life Ich finde es ist erlaubt und richtig den Namen Erik Uden, Admin bei "mastodon.de" auch zu nennen.

    Open ##2211650

  • @nocci@punk.cyber77.de 2026-03-16 16:43

    @Newstrujew@autistics.life Es ist eine Schande für alles, was sich als Linke Partei identifiziert und nicht laut aufschreit oder finale Konsequenzen zieht... alle Achtung für die, die nun gehen und laut sagen: das ist nicht meine Partei.

    Open ##2211655

  • @karl@linksextrem.ist 2026-03-17 21:07

    @Newstrujew@autistics.life Ja welcher real existierende Zionismus könnte das wohl sein? Na der der die explizit genannten Verbrechen verursacht: Vertreibung und Völkermord Netanyahu redet von Groß-Israel, dieser Zionismus, kein ausgedachter Linkszionismus...

    Open ##2211656

  • @taupunkt@katholisch.social 2026-03-18 00:15

    @Newstrujew@autistics.life Die Frage ist wohl immer, ob jemand unter Zionismus eine nationalistische Bewegung mit dem Anliegen, einen ethnonationalistischen Staat zu errichten, versteht, oder ob der Begriff synonym verwendet wird, um das Recht von Jüdinnen und Juden, sich im Rahmen eines eigenen Staates selbst schützen zu können, zu benennen. Dabei ist natürlich immer kritisch zu hinterfragen, was dieses „eigene“ praktisch im Blick auf z.B. die Gesetze und andere Bevölkerungsgruppen meinen will. Seit dem 7.10. habe ich den Eindruck, dass Zionismus vor allem das eigene Lebens- und Existenzrecht von Jüdinnen und Juden meint, das ihnen mit dem Angriff der Hamas abgesprochen wurde. Dass in diesem Kontext „Zionismus“ abgelehnt wird – im Kontext einer Selbstverteidigung des jüdischen Staates - hat dann schon eine antisemitische Konnotation. Zumal die gleichen Leute, die einen jüdischen Staat ablehnen, gleichzeitig einen palästinensischen einfordern, was widersprüchlich ist.

    Open ##2211658