@art_histories@mastodon.social
Post #2020857
2026-04-30 07:47 UTC
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@momo@social.linux.pizza 2026-04-30 09:38
@art_histories Gegen Ende seines Lebens, schwer krank und fast nur im Bett liegend wurde Willy Brand mal von Helmut Kohl besucht. Er liess sich kurz entschuldigen um sich anzuziehen. Als er dann fertig war, war Kohl verlegen, er hätte sich noch nicht für ihn solche Umstände machen sollen, gerade mit seinem Leiden. Willy Brand entgegnete: "Nein, ich empfange meinen Bundeskanzler nicht im Nachthemd!" Ich denke sehr oft an diese kleine Szene. Weil da gegenseitiger Respekt mitschwingt, auch wenn man unterschiedliche, politische Standpunkte hatte. Damals kam mir noch so vor, dass jede Regierung ihren Schwerpunkt hatte, aber man das Land irgendwie doch grob aufeinander aufbauend gelenkt hat. Wenn ich mir Politik heute ansehe, dann ist der Schwerpunkt "Alles zurückrollen, was die Regierung davor gemacht hat und alles anders machen!" Es ist kein Zick-Zack-Pfad durch den Wald, es ist ein hin und her, bei dem man sich viel bewegt aber in der Summe Jahrzehnte lang nicht vom Fleck wegkommt. Ich hatte das Gefühl, Habeck war noch so ein Politiker, der diesen Respekt hatte. Dieses "Auch wenn wir die Wahl vermutlich verlieren, will ich, dass das Land voran kommt! Egal ob die nächste Regierung sich dafür das Lob einholt, es gibt Wichtigeres als das Parteiego". Ich empfange MEINEN Bundeskanzler nicht im Nachthemd. Hätte Merz sich angezogen? Ich denke er hätte Kohl nichtmal rein gelassen. Und das ist der Punkt, auf den ich hinaus will. In einer Welt der Trumps brauchen wir verdammt viele Habecks!