@chibo Ich antworte mit meinem anderen Account, weil ich da längere Texte posten kann.
Ich versuche gerne, zu erklären. Das knappe Gut, das sind Erdöl, Erdgas und die daraus hergestellten Produkte. Wegen dem Krieg am Persischen Golf gibt's davon jetzt weniger bei uns als noch vor 3 Monaten. Hilft das schon mal, den Einstieg zu finden? So perfekt wie du schreibst, bin ich sicher, dass du in der Lage bist, das zu verstehen.
Zwar gibt es jetzt nur etwa 20% weniger Öl als vorher, aber kaum jemand will oder kann von sich aus den Verbrauch um 20% einschränken. Das nennen Ökonomen einem Markt mit geringer Elastizität. Deshalb entwickeln sich - vom internationalen Großhandel bis zu der Tankstelle um die Ecke - höhere Preise am Markt, und dieser Preisanstieg kann aufgrund der geringen Elastizität weitaus mehr als 20% betragen.
Subventionieren mit der Gießkanne - das ist der Weg den unsere Bundesregierung jetzt mit dem 'Tankrabatt" angekündigt hat. Finde ich Mist, denn der Staat verschenkt damit Geld, das wir Steuerzahler zahlen müssen. Und es führt kaum dazu, dass die Unternehmen und Menschen ihren Verbrauch einschränken. Die deutschen Tankstellen müssen also an den internationalen Märkten noch mehr bezahlen als sowieso schon, um genügend Öl kaufen zu können, um die Nachfrage in Deutschland befriedigen zu können. Die Preise steigen weiter - der Ruf nach noch mehr Subventionen wird kommen - werden diese Rufe erfüllt, kann das eine Endlosschleife ergeben.
Rationierung - das sollte man im allgemeinen als Maßnahmen sehen, die übermäßigen Verbrauch verhindern. Das waren in den Weltkriegen Bezugsscheine, die man beim Bäcker vorlegen musste, um Brot zu bekommen. 1973 war das ein Verbot, sonntags Auto zu fahren. In den USA gibt es auf manchen Autobahnen Fahrspuren, wo man nur als Fahrgemeinschaft fahren darf. Klar, was man verbietet, soll kein "Heiliger" bestimmen, das muss gesellschaftlich ausgehandelt werden. Meine Meinung ist aber: die reichen Menschen (mit Milliarden oder vielen Millionen Vermögen) in diesem Land sind in den letzten Jahrzehnten zu reich geworden - sie sind wegen unserer Arbeit reich, aber zu wenig bereit, mit ihrem Reichtum einen Beitrag zu leisten, und sie üben zuviel Einfluss auf die Politik aus, um zu verhindern, dass sie ihren Beitrag leisten müssen.
Letztlich zum Ausgangspunkt dieses Threads, der Energiewende, also dem Umstieg auf erneuerbare Energien. Deine Posts klingen wie die Frage von Katherina Reiche, wieviel Energiewende wir uns "leisten können". Das ist die falsche Frage - die richtige Frage ist inzwischen, wieviel Verhinderung der Energiewende wir uns leisten können.
Im Prozess der Energiewende sind wir inzwischen an einem Punkt angekommen, wo Wind, Sonne und Batteriespeicher so billig sind, dass sie billiger sind als Öl-, Gas- und Kohlekraftwerke - billiger als Kernspaltung sowieso. Das wird zum Beispiel in China jetzt ein ganz großes Ding, einfach weil es jetzt der billigste Weg ist. Es geht also nicht mehr, wie zu Zeiten von Schröder/Fischer, darum, Geld reinzustecken, sondern jetzt können wir die Früchte dieser Investition ernten. Ich und zehntausende andere sind gestern deshalb auf die Straße gegangen, weil wir nicht wollen, dass Frau Reiche und die Leute in der Öl- und Gasindustrie, mit denen Sie bis vor kurzem noch zusammen ihr Geld verdient hat, unser Steuergeld verschwenden, um Wind, Sonne und Batteriespeicher durch unfaire Regularien aufzuhalten und somit der Öl- und Gaswirtschaft noch ein paar Jahre lönger die Profite zu sichern - das Ende Öl- und Gasindustrie ist langfristig sowieso unvermeidlich, weil die Erde nur begrenzt Öl und Gas hat, aber je früher diese Industrie endet, desto weniger Treibhauseffekt, desto weniger Meeresanstieg, desto weniger Extremwetter wie Dürren und Starkregen, desto weniger verzweifelte Menschen im globalen Süden, desto mehr intakte Natur bei uns.
Hoffe dein 🥐 ☕ 🥨 hat geschmeckt!