Post #4287870
2026-07-28 15:45 UTC
@@beandev@social.tchncs.de Das eigentlich Tragische ist doch: Ein Großteil der deutschen Industrie und des deutschen Gewerbes will sich eigentlich modernisieren. Nur stehen dem die typisch deutschen Begleitumstände im Weg. Und die hängen an ein paar wenigen Konzernen mit sehr viel Macht.
Die Automobilindustrie hat inzwischen verstanden. Die wollen ja allmählich Autos für die Zukunft bauen oder zumindest auf einem Stand der Technik, der einigermaßen mit China und Südkorea auf Augenhöhe ist. Aber Zulieferer wie Bosch versuchen massiv, genau das zu verhindern. Die sind es, die technologisch im 20. Jahrhundert stehengeblieben sind – und im 20. Jahrhundert bleiben wollen, weil sie etwas anderes nicht können. Und alle ihre Kunden sollen auch im 20. Jahrhundert bleiben, weil sie sonst gar keine Kunden bleiben würden.
Wenn Bosch keine Kraftstoffeinspritzungen mehr bauen kann, ist der ganze Konzern ziemlich im Arsch. Komponenten für Elektromobilität können sie nicht liefern, sonst täten sie das längst, weil sie sich nie das Know-how draufgeschafft haben. Und mit Elektrowerkzeugen und gebadge-engineerter Weißer Ware von Siemens werden sie sich nicht über Wasser halten können.
Also machen so Buden wie Bosch auf Bundes- und EU-Ebene massivst Lobbyarbeit, damit Verbrenner auf dem Stand der 1990er noch die nächsten Jahrhunderte unverändert weitergebaut und weiter zugelassen werden können. Und wenn irgendwann keiner mehr Verbrenner kaufen will, werden sie wahrscheinlich Subventionen einfordern, weil Arbeitsplätze™.
Genauso klammert sich die Energiewirtschaft in halb Deutschland am 20. Jahrhundert fest. Kohle, Öl, Gas und Atom forever. Schön weiter Geld scheffeln mit Technologien, die seit Jahrzehnten abgeschrieben sind – am liebsten sogar noch mit Filtertechnik auf dem Stand der 60er, also gar keiner, um die Rendite noch weiter steigern zu können und international wettbewerbsfähig™ zu bleiben. Wohlgemerkt, regenerative Energien aus brandneuer Technologie sind schon längst billiger als fossile Energieträger und als Atomstrom aus 50, 60 Jahre alten Meilern. Aber bloß nix verändern.
Ernsthaft, wenn man im Ruhrpott irgendwann die Wahl hätte zwischen entweder lokalem Braunkohlenstrom oder deutlich billigerem Solar- und Windstrom aus Schleswig-Holstein oder Niedersachsen, dann würde RWE Bundeshilfen beantragen müssen und dann von Vattenfall geschluckt.
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