Post #3869220
2026-07-16 19:39 UTC
Die Kita unseres Kindes ruft dazu auf, abgelegte Kleidungsstücke für die Verkleidekiste zu spenden. Eine Erzieherin erzählt, da seien derzeit fast nur Sachen "für Mädchen" drin (lies: Kleider, Röcke und anderes, das öfter von Mädchen oder Frauen getragen wird). Ich sage, dass die Kleidung ja von allen getragen werden könnte. Die Erzieherin: "Ja, aber die Kinder versuchen gerade so ihre Rolle zu finden" (gemeint ist wohl eine binäre Genderrolle).
Bei einer Gruppe von 20 Kindern ist statistisch davon auszugehen, dass 10% – eher mehr – queer sind und auch so leben werden, wenn man sie lässt. Wie viele nonbinär sind, ist unmöglich zu sagen, da die Emanzipation dieser Gruppe ziemlich am Anfang steht und Statistiken nur die absolute Spitze des Eisbergs erfassen.
Offenbar involviert "seine Rolle finden" nicht, dass das eine Rolle außerhalb der Binarität sein könnte. Zumindest glaube ich nicht, dass das erwähnt und aktiv angeboten wird. Für mich bedeutet das, dass Kindern, die sich nicht in den Kategorien Junge/Mädchen wiederfinden oder auch nur zweifeln, keine Möglichkeit geboten wird, die eigene Rolle zu finden. Oder nur verdruckst auf Nachfrage (als ob da eine*r fragt) – und nicht, dass klar gesagt wird: "Es gibt Leute, die weder Mann noch Frau sind oder beides oder nichts oder was ganz anderes. Das ist auch ein Schuh, der euch passen könnte."
Das Argument könnte sein: "Das verwirrt die Kinder nur." Oder: "Im Kindergarten ist das noch kein Thema." Ich halte beides für Bullshit. Ich glaube nicht, dass man ein Kind, das sich als Junge oder Mädchen fühlt, zur Nonbinarität 'verführen' kann. Vielleicht probieren es manche mal aus, aber dafür müssen sie erst wissen, dass es existiert. Aber es ist halt die 'Freak-Option' und nicht so was Normales wie Junge und Mädchen. Ich will ihnen nicht vorwerfen, dass es absichtsvoll verschwiegen wird, aber es fällt unter den Tisch und das stört auch keine*n groß.
Wie sehen das andere, insbesondere queere #FediEltern?
Wäre es gut, wenn Kinder in der Kita (Ü3-Gruppe) explizit mit der Option einer nonbinären Genderidentifikation (und/oder der Option, ein binäres Gender auf eine 'non-conforming' Weise auszudrücken) in Berührung kämen? Ich überlege, ob ich das bei der Kita noch mal anspreche, aber ich möchte gerne erst mal eure Sichtweisen hören.
Replies (1)
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@DonNegro@fedifreu.de 2026-07-16 21:45
@SaySimonSay@eldritch.cafe Bin nicht queer, aber unser Sohn wollte in der Kita nicht den gängigen binären Normen entsprechen und sagte auch er wolle ein Mädchen sein. Er trägt bis heute lange Haare und ab und an Nagellack, das „Mädchensein“ hatte aber andere Gründe. Mädchen waren für ihn älter und durften/konnten schon mehr. Die Kita ist damit super umgegangen; hat ihn sein lassen und ihn gestärkt und begleitet. Sie haben uns auch vorsichtig darauf angesprochen.