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@chpietsch@fedifreu.de

Post #3738342

2026-07-11 10:00 UTC

Meine Kinder fragen mich, warum ich noch linear fernsehe. Hier sind zwei gute Gründe: Allein wäre ich nie auf die Idee gekommen, die siebenteilige Verfilmung von Jahrmarkt der Eitelkeiten in der #Mediathek abzurufen. Ich bin zufällig in die Ausstrahlung bei #One reingeraten und habe dann alle Folgen gebingewatcht, weil sie so unterhaltsam und interessant waren. Es gibt sie auch im Original mit Untertiteln. Diese Verfilmung ist sprachlich modernisiert, aber inhaltlich ziemlich originalgetreu. Was sehr praktisch ist, denn der Originaltext ist für den heutigen Geschmack etwas zu umständlich formuliert.Derselbe #ARD-Sender strahlt derzeit wieder Parlament aus – #Edutainment im allerbesten Sinne für alle, die endlich verstehen wollen, wie die EU funktioniert. Dass man sich dabei schlapplacht, schadet dem Anliegen überhaupt nicht. Inzwischen gibt es Staffel 4. #Mediathekperlen #ARDone #Gesellschaftskritik #Satire #Klassikerverfilmung #Thackeray #VanityFair #Parliament

Replies (1)

  • @chpietsch@fedifreu.de 2026-07-11 11:23

    Was mich an Jahrmarkt der Eitelkeiten fasziniert? Kurz gesagt: Es ist große Kunst. Diese kann Einblicke geben in das Leben anderer, die man sonst nicht hätte. Im besten Fall versteht man die Menschheit besser. Die Erstveröffentlichung als Fortsetzungsgeschichte in der Satirezeitschrift Punch hatte den Untertitel Pen and Pencil Sketches of English Society, also war das wohl der Anspruch des Autors. Als der Text als Buch erschien, änderte sich der Untertitel zu A Novel without a Hero. Das verweist auf die clevere Entscheidung, eine Antiheldin in den Mittelpunkt zu stellen. Weiß jemand, wie die kognitive Verzerrung heißt, die dafür sorgt, dass wir uns mit der Hauptperson eines Werkes identifizieren – egal, wie schlecht sie sich benimmt? Nicht nur deswegen verzeihen wir Becky anfangs zu viel. Sondern auch wegen ihrer Benachteiligung durch »niedere« Geburt. Sie will ein gutes Leben. Wer könnte es ihr verdenken? Irgendwann verliert sie jedes Maß – wie die Fischerin im Märchen [vom Fischer und syner Fru](Vom Fischer und seiner Frau). Und der Zeitpunkt, an dem wir uns dies eingestehen und sie verurteilen, macht was mit uns. Das ist die Macht großer Kunst.

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