Elektrine lite

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@AlphaCordi@pumpkin-ass.hopto.org

Post #2439632

2026-04-08 11:09 UTC

Die ersten Sonnenstrahlen krochen wie warme Finger über das Holz des Bienenstocks. Ich war schon wach. Wir Arbeiterinnen schlafen nicht lange, wenn die Sonne ruft. Sie kribbelt durch die Waben, durch die Füße, durch die Flügel. Also: Flügel strecken, einmal kräftig summen, ein kleiner Flug im Kreis — Frühsport. Man will ja nicht steif sein, wenn die Arbeit beginnt. Neben mir brummten meine Schwestern. Tausende von uns, und doch kennt man die kleinen Unterschiede: Die eine summt höher, die andere fliegt immer ein bisschen schief los. Aber heute Morgen war keine Zeit für Beobachtungen. Die Luft draußen roch nach Frühling. Also los. Ich schoss aus dem Eingang des Stocks, stieg kurz in die kühle Morgenluft und ließ mich dann vom Duft tragen. Obstbäume. Süß und frisch. Ein ganzer Garten voller Versprechen. Die erste Landung: eine Birnenblüte. Weich wie ein kleines Kissen. Ich tauchte tief hinein, streifte mit meinen Beinchen durch den goldenen Staub und begann zu sammeln. Nektar hier, Pollen da. Rein in die Körbchen an den Hinterbeinen. Weiter zur nächsten. Und zur nächsten. Und zur nächsten. Arbeit ist wie Fliegen im Rhythmus. Man denkt nicht viel. Man tut. Zwischendurch rauschte eine fremde Biene vorbei — eindeutig ein anderer Stock. Ihr Duft war anders. Wir nickten uns kurz zu, wenn Bienen nicken könnten. Kein Streit, aber auch kein Gespräch. Wir hatten beide zu tun. Dann flatterte plötzlich etwas Gelbes ins Blickfeld. Ein Zitronenfalter. Er setzte sich neben mich auf die gleiche Birnenblüte, ganz vorsichtig, als hätte die Luft selbst Angst, ihn zu zerknittern. „Du arbeitest aber früh“, sagte er. Ich summte kurz, was bei uns so viel heißt wie: Natürlich. Der Falter öffnete und schloss seine Flügel langsam in der Sonne. „Ich fliege eher zum Vergnügen“, sagte er. Ich hielt einen Moment inne. Wirklich nur einen Moment. Denn die Sonne war warm auf meinem Rücken, und die Birnenblüte duftete so stark, dass selbst eine Arbeiterbiene kurz vergaß, wie viele Blüten noch warteten. „Vergnügen…“, dachte ich. Ein interessantes Wort. Unter dem Baum saß ein Mensch. Groß. Ruhig. Er bewegte sich kaum, nur sein Kopf folgte manchmal unserem Flug. Seine Augen wirkten riesig. Und irgendwie freundlich. Menschen sind seltsam. Sie sammeln keinen Nektar. Sie bauen keine Waben. Und doch sitzen sie manchmal einfach da und schauen uns zu, als wären wir das Wunder. Vielleicht sind sie Sammler von Momenten. Der Zitronenfalter sagte leise: „Er findet dich faszinierend.“ Ich schaute kurz nach unten. „Warum?“ Der Falter zuckte mit den Flügeln. „Du weißt immer, was du tun musst.“ Das hatte ich so noch nie betrachtet. In diesem Moment schoss eine meiner Schwestern vorbei. Dann noch eine. Und noch drei. Ihre Flügel klangen wie ein dringender Gedanke: Arbeit. Arbeit. Arbeit. Ich seufzte summend, tauchte noch einmal tief in die Birnenblüte und — ja — ich kostete kurz vom Nektar. Ein winziger Schluck. Nur zur Qualitätskontrolle natürlich. Der Zitronenfalter lachte leise, was bei Faltern eher ein Flattern ist. „Bis morgen früh“, sagte er. Ich startete wieder. Blüte zu Blüte. Garten zu Garten. Sonne im Rücken. Und irgendwo unter dem Baum saß immer noch der Mensch und staunte. Vielleicht, dachte ich im Flug, ist ein bisschen Staunen auch eine Art Arbeit. 🐝🌼🦋

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