Elektrine lite

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@alineblankertz@indieweb.social

Post #1959355

2026-04-18 04:29 UTC

@LordCaramac Zu „wenn die Blase platzt, wird alles gut“: https://www.structural-integrity.eu/crashing-hard-why-talking-about-bubbles-obscures-the-real-social-cost-of-overinvesting-into-artificial-intelligence/

Replies (1)

  • @alineblankertz Oh, "gut" wird auf diesem Planeten für Äonen nichts, dafür haben wir die Biosphäre schon zu sehr beschädigt. Das Platzen der Blase hat aber das Zeug, die gesamte Weltwirtschaft in eine gewaltige Krise zu stürzen, und das wiederum ist gut, weil eine stillstehende bis kollabierende Wirtschaft weit weniger ökologische Schäden anrichtet. Der endgültige Kollaps der modernen Zivilisation und das Ende des Industriezeitalters sind in meinen Überlegungen zur Zukunft schon immer mit drin. Das wird einfach so oder so passieren, weil der Kapitalismus bis zum bitteren Ende weitermacht und niemand es schafft, ihn zu stürzen, bevor er sich selbst kaputtmacht. Wir sind schon so weit jenseits der globalen ökologischen Wachstumsgrenzen, tief im ökologischen Overshoot, daß ein Kollaps unvermeidlich ist, die Frage ist nur, wie genau der abläuft. Je schneller die Weltwirtschaft die Grätsche macht, desto höher die Wahrscheinlichkeit, daß von der Biosphäre genug übrigbleibt, daß die Gattung Homo vorerst doch noch nicht ausstirbt. Egal, wie wir es drehen, in 150-300 Jahren wird es wohl keinen einzigen funktionsfähigen Computer mehr geben und keine sonstige moderne Technologie, aber wenn der wirtschaftliche Teil des Kollaps schnell genug voranschreitet, gibt es auch in vielen Jahrtausenden immer noch ein paar nomadische Post-Kollaps-Stämme, welche mit etwas Glück lange genug durchhalten, bis die Biosphäre sich soweit erholt hat, daß Zivilisation wieder möglich wird, und wenn es hunderttausend Jahre dauert. Ein neues High-Tech-Zeitalter wird es wohl nie wieder geben, aber Zivilisationen auf einem Niveau wie die Maya oder die Kelten oder die Phönizier sollten irgendwann wieder möglich sein, wenn wir das komplette Aussterben der Menschheit vermeiden. Ansonsten wäre momentan einfach massive Wirtschaftssabotage ganz gut, oder eine erneute Blockade der Straße von Hormuz, oder daß sich wieder ein Schiff im Suez-Kanal verkeilt oder sowas. Selbstverständlich werden sehr viele Leute darunter leiden, auch ich; bei einem Kollaps der Weltwirtschaft verliere ich vermutlich auch alles, und ob ich lange überlebe, ist fraglich. Nur ist der Kollaps so oder so nur eine Frage der Zeit. Genau wie der Tod, irgendwann sterben wir alle so oder so. Demokratie und Kapitalismus sind weit weniger gut vereinbar, als es uns die bürgerlich-liberale Propaganda weismachen will, und das absehbare Ende der kapitalistischen Wirtschaft durch die unvermeidlich anrollende Schrumpfung von allem, was zu groß gewachsen ist, bringt mal wieder den Faschismus hervor, und antifaschistische Kämpfe werden irgendwann zu blutigen Bürgerkriegen ums nackte Überleben. Es wird schier unglaublich schrecklich werden, aber was zählt, ist letztlich nur, wie weit die Wertverwertungsmaschine die Ökologie des Planeten noch ruinieren kann, bevor sie auseinanderfällt; was immer aussichtsreich erscheint, um die Bewegung umzukippen, um das Wirtschaftswachstum endgültig zu beenden und in eine unaufhaltsame Schrumpfung umzukippen, erhöht die Wahrscheinlichkeit des Überlebens unserer Spezies. Zivilisationen lassen sich auf den Trümmern der vorangegangenen neu aufbauen, aber wenn die ökologischen Nischen für große allesfressende Säugetiere verschwinden, sind wir weg. Für immer. Von daher darf diese Blase nicht einfach so entlüftet werden, sondern sie muß so spektakulär platzen, daß die Great Depression der 1930er gegenüber dem dann kommenden Meltdown der Weltwirtschaft wie ein Sommergewitter aussieht. Die Weltwirtschaft muß sehr rapide um mehr als die Hälfte schrumpfen, um überhaupt irgendeine Chance auf Nachhaltigkeit zu haben, und kann anschließend nie wieder wachsen; und dabei geht es nicht um die Finanzwelt, sondern um die Realwirtschaft. Unser globaler Umsatz von Material, gemessen in Tonnen pro Sekunde oder was auch immer, muß um mehr als die Hälfte schrumpfen. Industrielle Prozesse, welche Ökosysteme stören, müssen enden, egal wie. Wir kommen aus der Scheiße so oder so nicht mehr geordnet heraus, allerhöchstens eine ökosozialistische Weltrevolution könnte die Dinge mit sehr viel Glück schnell genug radikal genug verändern, um den unvermeidlichen Kollaps halbwegs menschenwürdig zu gestalten, aber eine solche ist nicht in Sicht. Es gibt überhaupt nur noch chaotische und radikale Zukünfte, die gemäßigten und stabilen sind ausverkauft und kommen die nächsten 100 000 Jahre nicht wieder rein. Das ist übrigens der Hauptgrund, warum ich keine Kinder habe -- die meisten jungen Menschen, die heute leben, werden höchstwahrscheinlich eines frühen und sehr unschönen Todes sterben im Zuge des Kollaps. Von daher frage ich mich, warum die Leute von Extinction Rebellion, Letzte Generation usw. so fürchterlich gemäßigt sind und auf symbolische Aktionen setzen, statt die Industrie direkt anzugreifen und die Maschinen zu sabotieren, welche diese lebendige Welt zerstören, deren Teil wir sind.

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