Elektrine lite

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Post #1596360

2026-04-20 14:21 UTC

@AlphaCordi „Reden ist silber, schweigen ist gold“ Ich glaube nicht mehr, dass es so einfach ist. Schweigen wird oft so dargestellt, als wäre es etwas Edles. Etwas Kluges. Etwas Ruhiges. Aber oft ist Schweigen einfach nur leichter. Nichts sagen. Einer Diskussion ausweichen. Sich vergraben. Alles in sich festhalten, bis es irgendwann kippt und als Ausbruch wiederkommt. Reden dagegen ist für mich nicht weniger wertvoll. Reden gibt mir die Möglichkeit, mich zu zeigen. Zu sagen, wo ich stehe. Meine Sicht auszusprechen, bevor sie in mir nur noch schwerer wird. Trotzdem gibt es für mich keine klare Ordnung, in der das eine silber und das andere gold sein soll. Dafür ist beides viel zu kompliziert. Ich habe irgendwann aufgehört, darüber zu reden, dass ich müde bin. Nicht einfach nur müde, wie man eben mal müde ist. Sondern so müde, dass ich im Stehen einschlafen könnte. So müde, dass selbst der Tag schon anstrengend ist, bevor er richtig begonnen hat. Aber wenn darauf immer nur kommt: „Ja, bin auch müde“ oder „So schlimm ist das doch nicht“, dann lernt man irgendwann, still zu werden. Nicht, weil es besser ist. Sondern weil man merkt, dass das Eigentliche gar nicht ankommt. Und trotzdem weiß ich, dass Reden nicht alles sofort lösen muss. Manchmal muss das, was gesagt wurde, erst beim anderen landen. Manchmal braucht es danach Stille. Keine kalte Stille, kein Wegschieben, sondern diese kurze Ruhe, in der etwas überhaupt erst verstanden werden kann. Auch das gehört dazu. Beim Smalltalk schweige ich oft. Nicht, weil ich nichts zu sagen hätte. Sondern weil ich mit Nebensächlichkeiten schwer umgehen kann. Dieses leichte Reden über Dinge, die nichts berühren, nichts öffnen, nichts meinen, kostet mich oft mehr als ein ehrliches Gespräch. Und dann gibt es diese andere Art von Schweigen. Die, die weh tut. Wenn der Raum still ist und die Stille nicht friedlich ist, sondern drückt. Wenn sie so groß wird, dass ich selbst reden muss, nur damit etwas in Bewegung kommt. Nur damit dieses Nichts mich nicht ganz verschluckt. Über manches konnte ich früher gar nicht reden. Aus Scham. Aus Schüchternheit. Vielleicht auch, weil ich selbst keine Worte dafür hatte. Heute geht es eher. Heute kann ich sagen, wie etwas war. Was schön war. Was gut tat. Was nicht gut war. Aber das war nichts, was einfach irgendwann da war. Ich musste es lernen. Langsam. Gegen Widerstände. Gegen mich selbst. Deshalb glaube ich nicht an diesen Spruch in seiner Klarheit. Nicht an Silber. Nicht an Gold. Ich glaube eher, dass Reden Mut brauchen kann. Und Schweigen manchmal Schutz ist. Aber manchmal auch Flucht. Und manchmal Wunde. Und vielleicht kommt es am Ende nur darauf an, ehrlich zu merken, was gerade was ist. #gedanken

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