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@tocomplymeanstolie@todon.eu

Post #1429709

2026-04-19 12:46 UTC

Mein einziger Stolz gilt keinem Land, nicht meiner Vorstellung von einer herrschaftsfreien Gesellschaft, sondern ausschließlich meiner Omi Petersen. Die hat im Krieg alleine unser Dorfkaufhaus betrieben und sich vor die Nazis gestellt, als die Waren als kriegswichtig einkassieren wollten. Die Räder ihres Lieferwagens haben sie abgebaut. Auch hat sie sich geweigert, Hakenkreuzfahnen aus ihren Stoffen zu nähen und den Laden zu beflaggen. Sie musste zum Gauleiter nach Lemgo und einen Ariernachweis vorlegen, weil sie angeschwärzt wurde, wir hätten jüdische Vorfahren in Dänemark, was auch stimmte. Kurz vor Kriegsende hat sie zwei abgestürzte Flieger im Kohlenkeller versteckt. Nach dem Krieg hatte sie einen kranken Ehemann, der mit 40 Kg zurückkehrte und - schwer depressiv - versuchte, den Laden aufrechtzuerhalten. Die Denunziant*innen des ostwestfälischen Dorfes kamen nach dem Krieg angekrochen und wollten bei ihr anschreiben lassen. Früher und später verkaufte sie keine Nazizeitungen und auch nicht die BLÖD. Am Ende gingen meine Großeltern pleite... und der Nazidorfladen des Mitbewerbers überlebte. Mehr muss ich nicht sagen. 1/2

Replies (1)

  • @tocomplymeanstolie@todon.eu 2026-04-19 13:11

    2/2 Und weil meine Großeltern "anständige Deutsche" (ein ansonsten unanständiger Begriff) waren, sind sie aus dem Nazidorf in eine Kleinstadt bei Hamburg gegangen, hatten ein relativ zufriedenes Leben und wurden 100 und 97 Jahre alt.

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