Post #1369848
2026-04-19 05:09 UTC
@Bundesligatrainer@det.social
@mina@berlin.social @MichaelimOdenwald@hessen.social
Es gibt da tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Kohl und Wochenendticket. Kohl hat 1994 die Bahn zur Aktiengesellschaft gemacht. Die Aktiengesellschaft hat dann festgestellt, dass am Wochenende die Regionalzüge leer fahren. Ein Praktikant in der PR Abteilung hatte dann die Idee eines 15 Euro Tickets. Niemand in der Aktiengesellschaft hat nachgerechnet. Und dann hatten wir das Ticket und die Aktiengesellschaft hat den langen weg begonnen das ticket wieder in die Büchse der Pandora zu bekommen.
Das Schönes-Wochenende-Ticket wurde eingeführt, um die zuvor oft geringe Auslastung im Nahverkehr am Wochenende zu verbessern. Dies war – kurz nach der Bahnreform von 1994 – neben dem Guten-Abend-Ticket einer der ersten Versuche der damals neu gegründeten Deutschen Bahn AG, die Auslastung ihrer Züge nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten zu optimieren. Die attraktiven Bedingungen des neuen Sonderangebots führten jedoch schon bald nach dessen Einführung zu teilweise massiv überfüllten Zügen. Insbesondere langlaufende Züge, darunter besonders die sogenannten Heckeneilzüge wie beispielsweise der Kleber-Express oder die Direktverbindung Frankfurt am Main–Stuttgart über die Odenwaldbahn waren davon betroffen.
Das Angebot wurde bis Mai 1995 mehr als eine Million Mal verkauft; 40 Prozent der Nutzer waren Neukunden. Durch eine Verstärkung einiger Wochenend-Züge auf das Niveau der Werktage wurden rund 195.000 zusätzliche Sitzplätze geschaffen.[13]
Anfang 1997 wurden nach Angaben der Deutschen Bahn wöchentlich etwa 90.000 Schönes-Wochenende-Tickets verkauft, in Spitzenzeiten weit mehr als 100.000.[14] 1997 wurden allein in Bayern 1,4 Millionen abgesetzt,[15] 2000 waren es bundesweit 6,8 Millionen.[16]
Zweck des Angebots war es ursprünglich, den Fahrgästen – darunter insbesondere Familien und Ausflüglern – an den Wochenenden Kurzreisen zu günstigen Konditionen zu ermöglichen. Tatsächlich nutzten aber unerwartet viele Fahrgäste das neue Ticket auch für Fernreisen durch ganz Deutschland. Die Konditionen des Angebots wurden deshalb im Laufe der Jahre mehrfach verändert. Parallel dazu wurde versucht, die in den Anfangsjahren übergroße Nachfrage durch fortlaufende Preiserhöhungen einzudämmen, nicht zuletzt um Kannibalisierungseffekte gegenüber dem regulären Kilometertarif zu verhindern. Ferner wurden für bestimmte Vertriebswege Zuschläge eingeführt.
Um die Probleme in den Griff zu bekommen, war im Herbst 1997 geplant, die Geltungsdauer des Tickets auf einen Tag zu verkürzen.[17] Parallel dazu wurden im Oktober 1997 Planungen bekannt, das Ticket ab Anfang 1998[18] auf Familien, allein reisende Ehepaare[19] beziehungsweise Erziehungsberechtigte mit unbegrenzter Zahl eigener Kinder zu beschränken. Diese Konditionen seien ursprünglich bereits von Beginn an vorgesehen gewesen. Darüber hinaus sollte der Schwarzhandel mit den Fahrkarten eingedämmt werden.[20] Ferner hätten die Nutzungszahlen mit 120.000 bis 130.000 Fahrgästen je Wochenende zu Problemen geführt.[18]
2001 wurde erstmals die völlige Abschaffung des Tickets diskutiert. Entsprechende Überlegungen der Deutschen Bahn sahen vor, ab 1. Januar 2002 stattdessen die Gültigkeit der ursprünglich nur unter der Woche geltenden Ländertickets auf Samstag und Sonntag auszudehnen.[21] Alternativ plante das Unternehmen aufgrund der Überfüllung vieler Züge, den Preis im Zuge der Euro-Umstellung auf 28 Euro anzuheben. Die Bundesländer weigerten sich jedoch, die entsprechende Tarifänderung zu genehmigen.[16] Anfang 2002 wurde die Fortführung des Angebotes bekannt gegeben.[22] Im Jahr 2001 war das Ticket fast sieben Millionen Mal verkauft worden.[22]
Replies (1)
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@Bundesligatrainer@det.social 2026-04-19 15:07
@Life_is @mina @MichaelimOdenwald Vielen Dank für die Erläuterung. Übrigens sollte man solche Aktionen mit viel Vorlauf planen, wie in diesen Beiträgen herausgearbeitet wurde. Spontane Einführung kann zu Überlastung der Materials und Überfüllung der Züge führen. Und sowas kann man in der Regel nicht spontan abfangen. Man sollte es dennoch mit Planung sofort angehen, um #OPNV zu fördern. https://mastodon.social/@facebita/116402316233725511